Über uns selbst hinauswachsen

16.01.2026
Isabel Baumbach

Am Sonntag, den 18. Januar, um 14:00 Uhr empfängt der Thüringer HC in der Salza-Halle den Tabellenführer der norwegischen Liga, Larvik HK, in der Gruppenphase der EHF European League. Beide Teams haben zum Auftakt verloren und stehen so schon unter Druck, wenn sie das Viertelfinale erreichen wollen. Larvik ist der Gruppenfavorit, da muss der THC schon über sich hinauswachsen, wenn er punkten will.

Rückblick: Nicht jede Saison verläuft wie die vorhergehende. Die Niederlage gegen den vermeintlichen Außenseiter in Gruppe A, Motherson Mosonmagyarovar, schmerzt sehr. Der Jubel in Ungarn über den Sieg gegen den Titelverteidiger war groß, indes muss sich die Mannschaft fragen lassen, warum man in Bensheim dem Druck standgehalten hat, und nur wenige Tage später verliert man bei selbst geworfenen 34 Auswärtstoren. Die Deckung hat überhaupt nicht funktioniert. Hängen die Trauben für die ALSCO-HBF -Teams international zu hoch? Alle vier Teams, einschließlich des BV Borussia 09 Dortmund in der Champions League, haben auf internationalem Terrain verloren. Auch die HSG Blomberg-Lippe gegen Chambray Touraine und der VfL Oldenburg gegen Lokomotiva Zagreb verloren ihre Heimspiele nicht gegen einen Gruppenfavoriten. Dieser Start (Auftakt) in die EHF European League ging gründlich daneben.
Trainer Herbert Müller zeigte sich tief enttäuscht, der Matchplan war so ganz und gar nicht aufgegangen. Eine Torgala, der erst kürzlich nach langer Verletzungspause auf die Platte zurückgekehrten Johanna Reichert, ist am Ende nichts wert. Mit 16 Toren machte sie dort weiter, wo sie als beste Werferin der European League in der letzten Saison aufgehört hatte. Waren 70 Treffer ein Schmankerl für die relativ dürftig besetzten Zuschauerränge, so stellen die 36 Gegentore der THC-Deckung kein gutes Zeugnis aus. Trotz des Ausfalls des etatmäßigen Mittelblocks mit Anika Niederwieser und Josefine Hanfland; das muss man besser machen. Wie gesagt, in Bensheim hat es doch auch funktioniert. Die Umstände dieser Auswärtsreise mit vier Stunden Bahnverspätung waren indes auch sehr unglücklich, Krankheitsausfälle die Folge. Die Abwehr gilt es besser zu organisieren. Wo war die Bewachung für Laetitia Quist, wie sperrt man die Zuspiele zum Kreis? Auf diese Fragen fehlten dem THC die Antworten. Der Fehlstart tut weh. Die Rumäninnen von Minaur Baia Mare, beileibe keine Übermannschaft, können sich freuen. Die haben wohl nun den besten Start hingelegt. Jetzt kann der THC sich nur selbst befreien, unter der Woche sah das Spiel aber gegen den Buxtehuder SV in der Liga auch nicht berauschend aus.

Zum Spiel: Der mehrfache norwegische Meister und Champions League Sieger 2010/11, Larvik HK – norwegisch “LARVIK HÅNDBALLKLUBB”, ist für den Thüringer HC kein Unbekannter. Nicht nur in der letzten Saison standen sich beide Teams in der Gruppenphase der European League gegenüber, in der EHF Champions League, zuletzt in der Saison 2017/18 trafen beide Mannschaften öfter aufeinander. Larvik HK ist ein großer Name im europäischen Frauenhandball, aber ihre besten Jahre liegen schon etwas zurück.
Die großen Namen der norwegischen Weltmeisterinnen von 2025 sind nicht im Kader von Larvik. Aber mit Amanda Kurtovic ist eine zweifache Weltmeisterin, Europameisterin und Olympiasiegerin im Team, die überaus international erfahren ist. 118 Mal spielte sie für Norwegen und war u.a. bei solch namhaften Vereinen aktiv, wie Györi AUDI ETO KC, Dunarea Braila, CSM Bukarest oder Viborg HK. Die 34-jährige Linkshänderin hat sogar schon 2011 mit Larvik die Champions League gewonnen.  Weitere international erfahrene Spielerinnen, die für norwegische Auswahlmannschaften bei der Europameisterschaft 2022 und 2024 und im Euro Cup 2022 bis 2026 sowie in Juniorenteams berufen waren, sind die Kreisläuferin Tirill Morch (beste Werferin im Auftaktmatch gegen Minaur Baia Mare), die Linksaußen Sara Berg, die Rechtsaußen Goro Ramberg oder die Rückraumlinke Maja Furu Saetren. Die ehemalige dänische Nationalspielerin Christina Petersen fungiert als Spielregisseurin.
Es sieht gerade so aus, als wären alle vier Teams auf Augenhöhe und über Sieg oder Niederlage entscheidet am Ende die Tagesform.
In der norwegischen Elite-Liga gab es in dieser Woche den 12. Spieltag. Larvik konnte dabei gegen den Tabellenvorletzten Romerike Ravens mit 38:25 ein Schützenfest feiern und führt überraschend die Tabelle in der norwegischen Liga vor den Champions League Clubs Sola Handball und Storhamar HB an. Larvik ist noch ohne Niederlage. Das sollte die Spielstärke von Larvik deutlich dokumentieren.
Sie sind demnach wohl ein Favorit in der Gruppe A. Der THC, der im Vorjahr ein starkes Heimspiel gegen Larvik gezeigt hat, wurde in Norwegen aber hoch besiegt. Den direkten Vergleich konnte Larvik damals zwar gewinnen, erreichte jedoch nicht das Viertelfinale. In dieser Saison  wollen sie alles besser machen.
Beide Kontrahenten haben unerwartet den  Start in die Gruppenphase vermasselt und stehen schon im zweiten Spiel unter Zugzwang. Keiner möchte nun mit 0:4 Punkten weitermachen. Herbert Müller appelliert an seine Mädels, “bis zum Letzten, bis zum Umfallen zu kämpfen”. Das schätzen wir am THC. Die Zuschauer sind aufgefordert, die Halle rappelvoll zu machen, um das Team anzufeuern. Es liegt viel Spannung in der Gruppe und die Zuschauer dürfen sich auf ein großes internationales Duell freuen.
Zum Kader: Der Verletzungsausfall von Natsuki Aizawa kommt zur Unzeit, ein Bänderriss im Ellenbogen braucht etwa sechs Wochen Zeit zur Heilung. Vielleicht kommt Josefine Hanfland Ende Januar zurück. Man kann nur hoffen, dass die Fieberkranken Johanna Reichert und Jana Scheib bis Sonntag wieder gesund werden.

Bericht: HaJo Steinbach

Bild: Christian Heilwagen

 

Nächstes Spiel

Sonntag, 18.01.2026
European League, 16:00 Uhr
Thüringer HC – Larvik
Salza-Halle, Hannoversche Str. 1, 99947 Bad Langensalza