Thüringer HC verpasst historische Titelverteidigung

17.05.2026
Falk Freytag

Der Traum von der historischen Titelverteidigung ist geplatzt: Der Thüringer HC hat das Finale der European League gegen Gastgeber JDA Bourgogne Dijon nach einer furiosen ersten Halbzeit noch mit 25:29 verloren. Damit verpassten die Thüringerinnen die Chance, als erste Mannschaft der Wettbewerbs-Geschichte den Titel erfolgreich zu verteidigen.

Vor einer lautstarken Kulisse in Dijon erwischte der THC einen nahezu perfekten Start. Anna Szabo und Lotta Heider sorgten früh für die ersten Treffer, während Laura Kuske im Tor sofort zur entscheidenden Stütze wurde. Die kompakte und aggressive THC-Abwehr ließ Dijon kaum zur Entfaltung kommen. Bereits nach fünf Minuten führte das Team von Herbert Müller mit 4:1. Besonders Laura Kuske drückte der Anfangsphase ihren Stempel auf. Mit zahlreichen Paraden – darunter ein gehaltener Siebenmeter gegen Celine Sivertsen – brachte sie die Gastgeberinnen früh zur Verzweiflung. Dijon fand offensiv kaum Lösungen gegen den starken Innenblock um Anika Niederwieser und Josefine Hanfland. Der THC nutzte dies konsequent aus und zog über 7:2 auf 10:2 davon. Auch offensiv präsentierten sich die Thüringerinnen variabel und effizient. Johanna Reichert überzeugte im Eins-gegen-eins, Anna Szabo traf sicher von außen, und Natsuki Aizawa setzte mit einem Treffer ins leere Tor ein weiteres Ausrufezeichen. Die mitgereisten THC-Fans machten die Halle zeitweise zur Heimspielkulisse und übertönten mit der „Roten Wand“ sogar die lautstarken Anhänger Dijons. Doch die Partie blieb intensiv. Auf der Bank der Gastgeberinnen sorgte die zunehmende Frustration für Unruhe, die sogar eine Verwarnung gegen Dijon nach sich zog. Kurz darauf musste der THC jedoch einen herben Rückschlag verkraften: Spielmacherin Natsuki Aizawa verletzte sich nach einem Zusammenstoß und konnte nicht weiterspielen. Trotzdem hielt der THC das Tempo hoch. Laura Kuske glänzte weiterhin mit einer überragenden Quote gehaltener Bälle, während Johanna Reichert sicher vom Siebenmeterpunkt verwandelte. Herbert Müller nutzte in der 26. Minute ein taktisches Team-Timeout, um seiner Mannschaft eine kurze Verschnaufpause zu geben. Mit einer souveränen 15:6-Führung ging der THC in die Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich jedoch das Bild der Partie grundlegend. Dijon kam mit deutlich mehr Aggressivität und Tempo aus der Kabine. Torhüterin Manuella Dos Reis steigerte sich spürbar und brachte den THC-Angriff zunehmend aus dem Rhythmus. Gleichzeitig fehlte den Thüringerinnen ohne Aizawa immer mehr die spielerische Ordnung. Die Gastgeberinnen starteten eine beeindruckende Aufholjagd. Ein Fünf-Tore-Lauf brachte Dijon zurück ins Spiel. Herbert Müller reagierte früh mit einem weiteren Team-Timeout, doch die Dynamik lag nun klar auf Seiten der Französinnen. Nach 45 Minuten war Dijon beim Stand von 19:17 wieder vollständig in Schlagdistanz. Der THC stemmte sich mit aller Kraft gegen das Momentum. Csenge Kuczora traf aus dem Rückraum zum wichtigen 21:18, doch Dijon erhöhte weiter den Druck. Die aggressive Abwehr der Gastgeberinnen zwang die Thüringerinnen immer häufiger zu Ballverlusten und technischen Fehlern. In der 50. Minute gelang Nina Dury schließlich der Ausgleich zum 21:21. Wenig später brachte Adriana Holejova Dijon erstmals in Führung. Die Partie war endgültig gekippt. Während die Halle kochte, kämpfte der THC zunehmend mit schwindenden Kräften und der Nervosität in der Schlussphase. Johanna Reichert verkürzte per Siebenmeter zwar noch auf 23:25, doch Dijon antwortete erneut durch Claire Vautier und ließ sich den Vorsprung nicht mehr nehmen. Ein Treffer ins leere Tor besiegelte schließlich die Entscheidung.

Nach einer überragenden ersten Halbzeit musste sich der Thüringer HC am Ende mit 25:29 geschlagen geben. Trotz der bitteren Niederlage bleibt der erneute Finaleinzug ein weiterer Beleg für die starke internationale Entwicklung des Thüringer HC, auch wenn die historische Titelverteidigung am Ende außer Reichweite blieb.

Statistik

Statistik: 

 

Thüringer HC: Christina Lövgren Hallberg, Laura Kuske; Nathalie Hendrikse, Lotta Heider 1, Julie Holm, Giulia Guarieiro 1, Anika Niederwieser, Luca Faragó 2, Jana Scheib 1, Rikke Hoffbeck Petersen 3, Natsuki Aizawa 2, Anna Szabó 3, Johanna Reichert 8/5, Josefine Hanfland 1, Csenge Kuczora 2, Kelly De Abreu Rosa 1

 

JDA Bourgogne Dijon: Ann-Cathrin Giegerich, Manuella Dos Reis, Justine Venne, Stine Nørklit Lønborg 3, Claire Vautier 4, Dorothee Blaise, Maureen Gayet 4, Kenza Bouguerch, Adriana Holejova 5, Nina Dury 9/5, Rosario Victoria Urban Medel, Lilou Pintat 3, Sara Valero Jodar, Amel Dury, Celine Sivertsen , Laura Fauvarque 1

 

Strafwürfe: 5/6 – 5/6

Zeitstrafen: 3 – 4

Zuschauer:  3480

Schiedsrichter: Malgorzata Lidacka (POL), Urszula Lesiak (POL)

EHF-Delegierte: Carmen Manchado Lopez (ESP)

EHF Referee Delegate: Zuzana Füleová  (SVK) 

Bericht: Falk Freytag & Lena Leißring

Fotos: Heike Gerhardt- Leißring