Thüringer HC gewinnt Krimi in Metzingen
Der Thüringer HC bleibt in der Spitzengruppe der Alsco Handball-Bundesliga Frauen. Am 4. Spieltag setzte sich die Mannschaft von Herbert Müller beim TuS Metzingen nach einer spannenden Schlussphase mit 35:33 (15:20) durch. In der Paul-Horn-Arena zeigte der THC über weite Strecken eine konzentrierte und abgeklärte Leistung, musste am Ende aber noch einmal gehörig um die zwei Punkte zittern. Für den Thüringer HC war die Partie zugleich das zweite Auswärtsspiel der Saison und eine wichtige Standortbestimmung. Mit einem Sieg wollte die Mannschaft den Anschluss an die Tabellenspitze mit Borussia Dortmund und der HSG Blomberg-Lippe halten. Dieses Ziel wurde erreicht – allerdings erst nach 60 intensiven Minuten.
Der Thüringer HC trat erstmals im neuen blauen Auswärtstrikot an, erwischte aber zunächst keinen optimalen Start. Metzingen ging mit 2:0 in Führung. Jana Scheib erzielte anschließend das erste THC-Tor gegen ihren ehemaligen Verein und eröffnete damit die Aufholjagd. Levke Kretschmann verwandelte ihren ersten Siebenmeter sicher zum 4:4 Ausgleich. Bereits in der 7. Minute sah THC-Trainer Herbert Müller die Gelbe Karte, nachdem er mit einigen Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns nicht einverstanden war. Auf dem Spielfeld entwickelte sich anschließend ein schnelles und intensives Duell. Beide Mannschaften suchten häufig den Weg über die Außenpositionen. Nach dem 7:7 in der 10. Minute gelang dem THC erstmals die Führung: Ex-Metzingerin Sabrina Tröster traf von Rechtsaußen zum 7:8. Die Thüringerinnen ließen sich vom hohen Tempo und der teilweise hektischen Spielweise der Gastgeberinnen nicht aus der Ruhe bringen. Mit geduldigem und präzisem Angriffsspiel erarbeitete sich der THC zunehmend Vorteile. Nach 15 Minuten stand es 8:9, ehe Jana Scheib erstmals eine Zwei-Tore-Führung herstellte. Metzingens Trainerin Miriam Hirsch reagierte mit einer Auszeit. Doch der THC blieb konsequent und legte anschließend einen Vier-Tore-Lauf hin. Die Führung wuchs auf 8:12 an. Erst ein verwandelter Siebenmeter von Johanna Farkas unterbrach die starke Phase der Gäste. Besonders das schnelle Rückzugsverhalten des THC funktionierte hervorragend. Die erste Welle der Metzingerinnen wurde immer wieder früh gestoppt. Gleichzeitig nutzten die Thüringerinnen Ballgewinne konsequent für ihr eigenes Umschaltspiel. Kelly Rosa vollendete einen schnellen Angriff zum 12:16. In der Schlussphase der ersten Halbzeit nahm Herbert Müller seine erste Auszeit. Seine Vorgabe an die Mannschaft war klar: Gegen die starke Metzinger Torhüterin Marie Weiss sollten die Würfe möglichst flach platziert werden. Die Thüringerinnen setzten die Vorgaben um und gingen mit einer komfortablen Führung in die Pause. Marcella Arounian traf mit dem Halbzeitbuzzer zum 15:20.
Der Start in die zweite Halbzeit gehörte zunächst den Gastgeberinnen. Der THC musste zeitweise in doppelter Unterzahl agieren und Metzingen nutzte diese Phase, um auf 18:21 zu verkürzen. Beim Stand von 20:23 nahm Herbert Müller erneut eine Auszeit. Er forderte bessere Abstimmungen und klare Zuordnungen in der Defensive. Kurz darauf stellte Jana Scheib mit einer starken Eins-gegen-eins-Aktion den Fünf-Tore-Vorsprung wieder her. Metzingen erhöhte nun den Druck. Doch der THC fand immer wieder Lösungen. Schnelle Gegenstöße sorgten dafür, dass die Gastgeberinnen trotz ihrer Bemühungen zunächst nicht entscheidend näherkamen. Auch der Innenblock der Thüringerinnen arbeitete aufmerksam und erschwerte den Metzinger Angriff zunehmend. Gleichzeitig kam Teresa von Prittwitz immer besser in die Partie. Mit zwei Treffern von der Außenposition setzte sie wichtige Akzente. Nach 45 Minuten führte der THC mit 26:31. Doch die Partie war längst nicht entschieden. Johanna Farkas und Marie Stumpf brachten Metzingen wieder auf drei Tore heran. Levke Kretschmann blieb von der Siebenmeterlinie souverän und verwandelte auch ihren fünften Strafwurf sicher. Die letzten Minuten wurden zum Nervenkrimi. Metzingen kam bis auf zwei Tore heran. Herbert Müller reagierte und stellte auf Sieben gegen Sechs um. Doch zunächst brachte die taktische Variante nicht den erhofften Erfolg. Nach einem Fehlwurf von Jana Scheib erzielte Marie Stumpf den 31:32 Anschlusstreffer. Plötzlich war die Partie wieder völlig offen. Immer wieder scheiterten die THC-Spielerinnen nun an Metzingens Torhüterin Sara Suba. Zwei Minuten vor dem Ende gelang Ida Petzold der erneute Anschlusstreffer zum 32:33. Jetzt war Nervenstärke gefragt – und genau die bewies Levke Kretschmann. Die Siebenmeterschützin übernahm Verantwortung und verwandelte ihren sechsten Strafwurf sicher zum 32:34. Metzingen verkürzte noch einmal, doch der THC ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.
Nach 60 intensiven Minuten stand in der Paul-Horn-Arena ein 33:35-Auswärtssieg für den Thüringer HC auf der Anzeigetafel. Die Thüringerinnen zeigten über weite Strecken eine kontrollierte und konzentrierte Leistung, hielten dem hohen Tempo der Gastgeberinnen stand und bewiesen insbesondere in der Schlussphase die nötige Nervenstärke. Mit dem Erfolg sammelte der THC zwei wichtige Auswärtspunkte und blieb damit im Rennen um die Spitzengruppe der Alsco HBF.
Statistik
Statistik:
TUSSIES Metzingen: Marie Weiss, Sara Suba, Ida Petzold 5, Lotta Röpcke, Katharina Goldammer, Charlotte Kähr 1, Santina Sabatnig 1, Johanna Farkas 10/3, Svenja Demmel, Gabriela Bitolo 1, Marie Stumpf 5, Svenja Hübner, Mareike Kusian, Klara Schlipf 4, Charlotte Cholevova 6
Thüringer HC: Maie Gomaa, Laura Kuske, Luca Csikos 2, Alfa Bra Oddsdottir Hagalin, Lotta Heider, Levke Kretschmann 6/6, Sabrina Tröster 6, Jana Scheib 6, Teresa von Prittwitz 4, Natsuki Aizawa 2, Anna Szabo, Marcela Arounian 4, Dilayla Alarslan, Jolina Huhnstock 2, Kelly de Abreu Rosa 3
Siebenmeter: 3/3 – 6/6
Zeitstrafen: 1 – 3
Zuschauer: 1152
Schiedsrichter: Marvin Völkening, Jonas Zollitsch
Bericht: Falk Freytag, Lena Leissring
Fotos: Heike Gerhardt-Leissring