Thüringer HC erkämpft Bronze – Julie Holm trifft in letzter Sekunde

23.05.2026
Falk Freytag

Der Thüringer HC hat sich am Samstagabend mit einem dramatischen 28:27-Auswärtssieg bei der HSG Bensheim/Auerbach den dritten Platz in der ALSCO Handball Bundesliga Frauen gesichert. In einer intensiven und bis in die Schlusssekunden offenen Partie erzielte Julie Holm den entscheidenden Treffer wenige Augenblicke vor der Schlusssirene. Vor 18:00 Uhr war die Ausgangslage klar: Nach der Niederlage im Finale der EHF European League musste der Thüringer HC nur wenige Tage später noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um die Saison erfolgreich abzuschließen. In der Weststadthalle Bensheim wartete mit den Flames ein bestens eingespielter Gegner, der sich nach der Hauptrunde den Heimvorteil gesichert hatte. THC-Cheftrainer Herbert Müller vertraute von Beginn an dem eigenen Nachwuchs. Für die verletzte Spielmacherin Natsuki Aizawa übernahm Dilayla Alarslan die Regie im Rückraum.

Die Begegnung begann temporeich und auf Augenhöhe. Beide Mannschaften suchten früh den Weg in die Tiefe, leisteten sich jedoch auch kleinere technische Fehler. Nach fünf Minuten stand es folgerichtig 4:4. Kelly de Abreu Rosa brachte den Thüringer HC erstmals in Führung, doch die Flames antworteten umgehend. Auch nach einer Zeitstrafe gegen Luca Farago blieb die Partie offen. Thüringen überzeugte in dieser Phase vor allem durch schnelles Umschaltspiel und Treffer von Julie Holm sowie Johanna Reichert. Beim Stand von 8:8 Mitte der ersten Halbzeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Die Gastgeberinnen fanden jedoch zunehmend besser in die Partie und nutzten eine schwächere Phase des THC konsequent aus. Mehrere technische Fehler und ein Pfostentreffer ermöglichten Bensheim einen 6:0-Lauf zur 16:11-Führung. Der Thüringer HC hatte in den letzten sieben Minuten vor der Pause lediglich zweimal getroffen und ging mit einem 13:16-Rückstand in die Kabine.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb die HSG zunächst tonangebend. Mareike Thomaier erhöhte zwischenzeitlich auf 19:15, während Johanna Reichert per Siebenmeter an Helen van Beurden scheiterte. Doch der Thüringer HC gab sich nicht auf. Torhüterin Christina Lövgren Hallberg brachte ihre Mannschaft mit wichtigen Paraden zurück ins Spiel. Herbert Müller reagierte zudem taktisch und stellte phasenweise auf die siebte Feldspielerin um. Die Maßnahme zeigte Wirkung. Kelly de Abreu Rosa leitete mit ihrem Treffer zum 21:23 die Aufholjagd ein. Wenig später verkürzte Dilayla Alarslan auf nur noch ein Tor. In der Schlussphase entwickelte sich ein echter Krimi. Johanna Reichert erzielte in der 54. Minute zunächst den Ausgleich und brachte den THC kurze Zeit später sogar wieder in Führung. Bensheim hielt dagegen und glich per Siebenmeter zum 27:27 aus. Die letzten Sekunden hatten alles, was ein Spiel um Platz drei auszeichnet. Nach einer vergebenen Möglichkeit der Gastgeberinnen nahm Herbert Müller 13 Sekunden vor dem Ende sein letztes Team-Timeout. Die Botschaft des THC-Trainers war eindeutig: „One Shot, Mädels.“ Der letzte Angriff saß perfekt. Julie Holm übernahm Verantwortung und traf mit der Schlusssirene zum viel umjubelten 28:27-Endstand.

Damit sicherte sich der Thüringer HC nach einer emotionalen und kräftezehrenden Woche einen versöhnlichen Saisonabschluss und die Bronzemedaille in der Bundesliga. Besonders beeindruckend war die Moral der Thüringerinnen, die sich nach dem Rückschlag im European-League-Finale noch einmal aufrichten konnten. Nachwuchsspielerin Dilayla Alarslan übernahm Verantwortung im Spielaufbau, während Christina Lövgren Hallberg und Johanna Reichert in der entscheidenden Phase wichtige Akzente setzten. Mit Platz drei beendet der Thüringer HC die Saison erneut unter den Topteams der Bundesliga und unterstreicht einmal mehr seine Konstanz auf nationaler Ebene.



Statistik

HSG Bensheim: Vanessa Fehr, Helen van Beurden, Mareike Thomaier 4/1, Amelie Berger 3, Isabell Hurst 2, Nina Engel 7/2, Matilda Ehlert 4, Ndidi Silva- Argwunedu 2, Meike Schmelzer 2, Neele Mara Orth 1, Lucie-Marie Kretzschmar 1, Mia Ziercke 1, Hanna Walther

 

Thüringer HC: Christina Lövgren Hallberg, Laura Kuske, Nathalie Hendrikse, Julie Holm 3, Giulia Guarieiro, Anika Niederwieser, Luca Farago 3, Jana Scheib 2, Rikke Hoffbeck Petersen 1, Kim Ott 3/3, Anna Szabo 2, Johanna Reichert 5/1, Dilayla Alarslan 5, Csenge Kuczora 1/1, Kelly de Abreu Rosa 3

 

Strafwürfe: 3/6 – 5/6

Zeitstrafen: 2 – 5

Zuschauer: 978

Schiedsrichter: Leon Bärmann, Nico Bärmann

Delegierter: Frank Wenz

 

Bericht: Falk Freytag & Lena Leißring

Fotos: Heike Gerhardt-Leißring