Finale zum zweiten Mal in Folge – Thüringer HC kämpft Viborg nieder

16.05.2026
Falk Freytag

Der Thüringer HC steht erneut im Finale der EHF European League. Der Titelverteidiger setzte sich am Samstag im Halbfinale des EHF Finals im französischen Dijon mit 26:24 (11:10) gegen den dänischen Spitzenklub Viborg HK durch und durfte weiter vom historischen zweiten Titelgewinn in Serie träumen. Noch nie zuvor gelang einer Mannschaft in der Geschichte der EHF European League die erfolgreiche Titelverteidigung.

Vor beeindruckender Kulisse im Palais des Sports Dijon entwickelte sich von Beginn an ein intensives und hart umkämpftes Halbfinale. Der THC startete nervös in die Partie. Johanna Reichert vergab den ersten Abschluss, doch auch Viborg scheiterte zunächst an einer stark aufgelegten Laura Kuske im Thüringer Tor. Erst Marielle Elisabeth Martinsen brachte die Däninnen auf die Anzeigetafel, ehe Johanna Reichert per Siebenmeter ausglich. In der Anfangsphase verhinderten technische Fehler und fehlende Konsequenz im Abschluss eine frühe Führung der Thüringerinnen. Viborg nutzte dies mehrfach aus und hielt das Spiel offen. Entscheidend dafür, dass der THC dennoch im Spiel blieb, war Torhüterin Laura Kuske, die mit mehreren starken Paraden früh Sicherheit ausstrahlte. Nach zehn Minuten stand es 3:3, ehe der Thüringer HC zunehmend Stabilität entwickelte. Vor allem die aggressive Defensive um Josefine Hanfland und Anika Niederwieser setzte Viborg immer stärker unter Druck. Ein 4:0-Lauf brachte den THC erstmals deutlicher mit 6:3 in Führung. Viborg reagierte mit einer Auszeit, fand jedoch zunächst kaum Lösungen gegen die kompakte Thüringer Abwehr. Trotzdem gelang es dem Bundesligisten nicht, sich entscheidend abzusetzen. Immer wieder schlichen sich technische Fehler ins Angriffsspiel ein. Viborg kämpfte sich zurück und glich in der 22. Minute durch Simone Cathrine Petersen per Siebenmeter zum 8:8 aus. Zudem nahm der dänische Vertreter Spielmacherin Natsuki Aizawa konsequent in Manndeckung, um den Spielfluss des THC zu stören. Die Schlussphase der ersten Halbzeit war geprägt von zahlreichen Zeitstrafen und Unterzahlsituationen. In doppelter Unterzahl geriet der Thüringer HC kurzzeitig unter Druck, doch erneut war auf Laura Kuske Verlass. Die THC-Keeperin parierte einen Siebenmeter und hielt ihre Mannschaft in Führung. Mit einem knappen 11:10-Vorsprung ging es schließlich in die Pause.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie hochspannend. Früh musste Kapitänin Josefine Hanfland ihre zweite Zeitstrafe hinnehmen, Viborg nutzte die Überzahl sofort zum Ausgleich. In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Nathalie Hendrikse traf mehrfach wichtig von außen, während Viborg insbesondere über sein Tempospiel erfolgreich blieb. Als Jana Scheib und Nathalie Hendrikse nahezu zeitgleich Zeitstrafen kassierten, geriet der THC erneut in doppelte Unterzahl. Viborg nutzte die Situation konsequent und ging in der 43. Minute durch Clara Skyum Thomsen wieder in Führung. Der Thüringer HC tat sich nun schwer, im Angriff klare Lösungen zu finden. Fehlwürfe und ungenutzte Chancen ließen die Däninnen beim Stand von 21:19 zehn Minuten vor Schluss leicht im Vorteil erscheinen. Doch in der entscheidenden Phase zeigte der Titelverteidiger seine ganze Erfahrung und Mentalität. Trainer Herbert Müller stellte auf das taktische Mittel „Sieben gegen Sechs“ um – mit Erfolg. Der THC gewann wieder Kontrolle über das Angriffsspiel und kämpfte sich Tor um Tor zurück. Josefine Hanfland erzielte in der 53. Minute den viel umjubelten Ausgleich zum 22:22. Getragen von den lautstarken THC-Fans entwickelte sich eine dramatische Schlussphase. Kelly De Abreu Rosa brachte die Thüringerinnen mit einem wichtigen Rückraumtreffer zum 24:22 erstmals wieder mit zwei Toren in Führung. Viborg gab sich jedoch nicht geschlagen und verkürzte erneut. In der Schlussminute sorgten schließlich Natsuki Aizawa und Kapitänin Josefine Hanfland für die Entscheidung. Aizawa setzte sich energisch durch und traf zum 25:24, ehe Hanfland nach einem Ballgewinn im Nachwurf den 26:24-Endstand erzielte.

Mit dem erneuten Finaleinzug unterstreicht der Thüringer HC eindrucksvoll seine internationale Klasse. Im Endspiel kämpfen die Thüringerinnen nun um die historische Titelverteidigung in der EHF European League.

Statistik

Statistik: 

 

Thüringer HC: Christina Lövgren Hallberg, Laura Kuske; Nathalie Hendrikse 4, Lotta Heider, Julie Holm, Giulia Guarieiro 1, Anika Niederwieser, Luca Faragó, Jana Scheib, Rikke Hoffbeck Petersen 2, Natsuki Aizawa 4, Anna Szabó 1, Johanna Reichert 5/3, Josefine Hanfland 5, Csenge Kuczora, Kelly De Abreu Rosa 4

 

Viborg HK: Stine Broløs Kristensen, Louise Bak Jensen; Marielle Elisabeth Martinsen 3, Era Baumann 2/1, Elma Örtemark, Laura Maria Borg Thestrup, Rosa Skovlund Schmidt 1, Simone Cathrine Petersen 1/1, Sara Trier Hald 1, Anne Kjelstrup Hykkelbjerg, Maria Fisker Stokholm 4, Clara Skyum Thomsen 3, Clara Bro Veilgaard, Louise Søndergaard 5/2, Jana Mittún 4

 

Strafwürfe: 3/6 – 4/6

Zeitstrafen: 6 – 3

Zuschauer: 2550

Schiedsrichter: Milica Pavicevic (MNE), Sladjana Martinovic (MNE)

EHF-Delegierte: Carmen Manchado Lopez (ESP)

EHF Referee Delegate: Zuzana Füleová  (SVK) 

Bericht: Falk Freytag & Lena Leißring

Fotos: Heike Gerhardt- Leißring