Etwas Warmes braucht der Mensch

18.12.2025
Isabel Baumbach

 

Sechs Handball-Damen des THC und der Cheftrainer servierten Bedürftigen im Erfurter Restaurant des Herzens das Mittagsmahl.

 

 

Das Restaurant des Herzens in der Evangelischen Stadtmission in der Erfurter Allerheiligenstraße ist seit 1992 alljährlich eine gute Adresse für Menschen, denen das Schicksal einiges abverlangt und nicht selten übel mitspielt. Wer hier, in der Allerheiligenstraße, zwischen dem Nikolaustag und dem letzten Freitag in Januar um die Mittagszeit hungrig ans Tor klopft, dem wird an fünf Tagen in der Woche aufgetan. 

Damit die Bewirtung der Menschen, die kein Obdach haben oder deren finanzielle Möglichkeiten sehr begrenzt sind, funktioniert, steht ein 30-köpfiges Team bereit. Auf diesen Pool kann Restaurant-Chefin Jana Keil zugreifen, wenn es darum geht, Gäste zu empfangen, die Speisen aufzutun, sie am Tisch zu servieren und letztendlich auch das Geschirr wieder abzuwaschen.

 

Seit einigen Jahren ist es guter Brauch, dass sich Fußballer, Basketballer und Eishockeyspieler in der Vorweihnachtszeit als Helfer im Restaurant des Herzens verdient machen. Dem wollten die Damen des Thüringer Handballclubs THC nicht nachstehen. Am Mittwoch um die Mittagszeit rückte eine sechsköpfige Abordnung an. Lotta Heider, Nathalie Hendrikse, Jana Scheib, Fine Hanfland, Julie Holm und Anika Niederwieser hatten sofort zugesagt, als Cheftrainer Herbert Müller nach sechs Freiwilligen fragte. Müller hatte es sich ebenso nicht nehmen lassen, dem Restaurant des Herzens seine Hilfe anzubieten, genau wie die beiden Hauptgesellschafter des THC, Helmut Peter und Robert Böhm. Die beiden Chefs hatten zwar nicht mit serviert, sich aber nicht lumpen lassen, und jeweils einen Spendenscheck über 200 Euro an Restaurant-Chefin Jana Keil überreicht. Die die Zuwendung gern entgegennahm, denn das ganze Restaurant-Projekt funktioniert ausnahmslos durch Zuwendungen aus Sach- und Geldspenden.

 

150 Portionen werden jeden Mittag extern im „Haus Zuflucht“, das eine eigene Küche hat, zubereitet. Am Dienstag stand eine Krautsuppe auf dem Plan. Dazu Obst und Joghurt. Der Speiseplan ist abwechslungsreich, aber geheim, damit nicht nur angeklopft wird, wenn es Rouladen oder Braten gibt. Oder man nur am 23. Dezember kommt, wenn das Festtagsmahl mit Entenkeule, Klößen und Rotkraut serviert wird. Jeder Gast zahlt für die Mahlzeit den symbolischen Betrag von einem Euro. „Das hat etwas mit Selbstwertgefühl zu tun“, sagt Jana Keil.

Um 13 Uhr wurden die Gäste eingelassen, um 15.30 Uhr war auch der letzte versorgt. Herbert Müller an der Kelle war dafür verantwortlich, dass eine ordentliche Portion in den Suppenschüsseln landete, Julie Holm begrüßte die Gäste, reichte das Obst aus, Fine Hanfland verteilte das Besteck, Anika Niederwieser reichte den Gästen Brot zur Krautsuppe und die anderen drei Spielerinnen servierten das Essen und Getränke am Tisch. Dabei kam oft ein freundliches Gespräch zustande. Die Restaurantgäste waren sehr angetan von der Idee und den jungen Damen. Die wiederum bekundeten später, dass ihnen das viel gegeben und Spaß bereitet hätte und sie sich ein Wiederholung im nächsten Jahr – dann gleich eine ganze Woche lang – vorstellen könnten. „Wenns mit dem Training passt, gerne“, so Chefcoach Herbert Müller. Da Abwasch nun mal zum Essen gehört, wurde auch der kollektiv erledigt. Nathalie Hendrikse und Jana Scheib säuberten das Geschirr, alle anderen trockneten ab. Teamarbeit in Reinkultur. Genau so, wie es sonst auch im Kampf um den Ball auf der Platte funktioniert. Am Ende des Mittagsmahls gab es nur Gewinner.

 

Text: Michael Keller

Bilder: Autohaus Peter Gruppe