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Sportlicher Saisonrückblick

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Roman Knabe

Nach Abschluss aller Spiele im Nachwuchsbereich machen wir hier den Versuch einer ersten Saisonbilanz. Gesprächspartner ist Christian Roch - Vorsitzender des Leistungssportausschusses beim Thüringer Handballverband und in der Saison 2018/19 als Sportkoordinator für den THC tätig.

Christian, Du hast in der abgelaufenen Saison ehrenamtlich die Funktion des Leistungssportkoordinators im THC übernommen. Wie fällt Dein persönliches Fazit zur abgelaufenen Saison aus?

Ja, ich hatte im vergangenen Sommer nach etlichen sehr angenehmen Gesprächen mit Catrin Finger entschieden, mich neben meinem Hauptamt beim Thüringer Handball-Verband quasi vor der Haustür auch ehrenamtlich im Thüringer HC zu engagieren. Ich hatte zuvor noch nicht im weiblichen Bereich gearbeitet, so dass ich schon sehr neugierig auf diese Aufgabe war. Angedacht war zunächst, dass ich die B-Jugend neben Ruben Arnold in zwei Trainingseinheiten pro Woche sowie im MHV-Spielbetrieb unterstütze. Im Herbst 2018 hat sich die Situation im Verein etwas verändert. Thomas Zingler trat aus persönlichen Gründen als Leistungssportkoordinator zurück, Andrej Minewski wurde als Trainer der 2. Mannschaft von seinen Aufgaben entbunden. Der DHB honorierte den THC für seine verbesserte Nachwuchsarbeit mit der Vergabe eines DHB Stützpunktes. Auf Bitten des damaligen Vorstandes habe ich zunächst das Amt des Leistungssportkoordinators übernommen. Später habe ich mich dann in das Amt des Trainers der 2. Mannschaft eingearbeitet  und das DHB Stützpunkttraining konzipiert und gemeinsam mit Dr. Alexander Koke angeleitet. Meine Mitarbeit in der B-Jugend habe ich dadurch nach und nach zurückgefahren. Ich habe versucht, mir einen Überblick zu verschaffen und ein paar Dinge im strukturellen Bereich neu anzuschieben. Es war also ein überaus interessantes Jahr für mich, in dem ich viele neue Eindrücke gewinnen konnte.


Wie bewertest Du die sportlichen Ergebnisse unserer Nachwuchsteams?

Ich denke, rein sportlich gibt es da nicht viel zu kritisieren.

Die 2. Mannschaft hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten nach dem Aufstieg in die 3. Liga toll entwickelt und die Klasse am Ende auf Platz 8 gehalten. Das war sicherlich nicht selbstverständlich, zumal das Team gerade im 2. Teil der Saison aus vielen B-Jugendspielerinnen und nur wenigen älteren Spielerinnen zusammengesetzt war. Es gab zu Beginn des Jahres 2019 einige Unruhe im Team, einige der erfahreneren Spielerinnen haben sich zurückgezogen. Mit unseren DHB-Kadern Emily Hagedorn, Lucy Gündel und Arwen Rühl haben sich drei ganz wichtige junge Rückraumakteurinnen verletzt und standen nicht mehr zur Verfügung. Am Ende ist der Umbruch jedoch gelungen und mit vereinten Kräften und Unterstützung der  Bundesligamannschaft konnte der Klassenerhalt gesichert werden.

Die B-Jugend stand stets etwas im Zentrum des Interesses, was angesichts der Doppelbelastungen im Trainings- und Wettkampfbetrieb sicherlich nicht immer einfach für die Mädchen war. Denn neben der Mitteldeutschen B-Jugendliga (Platz 2) wurde auch die A-Jugend-Thüringenliga (1. Platz) sowie die 3. Liga mit bespielt. Aber sie haben sich durch gebissen und am Ende mit dem Erreichen des Viertelfinales der Deutschen Meisterschaft ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Die Berufungen von Tyra Bessert und Greta Köster für den Kaderkreis der U-17 Nationalmannschaft sind ebenso ein Grund zur Freude, wie die erfreuliche Rückkehr von Laura Kuske nach ihrer schweren Verletzung. Leider haben wir die Belastungssteuerung nicht immer optimal hinbekommen, so dass schwerwiegende Verletzungen zu beklagen waren. Mit den 3 bereits erwähnten Spielerinnen wäre mit Sicherheit auch die Finalteilnahme in der Deutschen Meisterschaft möglich gewesen. Umso mehr freut es mich, dass wir die Qualifikation zur Jugendbundesliga sichern konnten, denn nun haben die Mädchen auch in der kommenden Saison die Möglichkeit, sich in ihrem Altersbereich optimal weiter zu entwickeln.

 

Ja, der THC ist mit seinen Leistungsmannschaften wieder auf der nationalen Ebene angekommen. Wie sieht es darunter aus? Welches Fazit ziehst Du in unseren Kindermannschaften?

Ich muss ganz klar sagen, dass ich mich im zurückliegenden halben Jahr nur sehr wenig mit diesem Bereich beschäftigen konnte. Wir haben im Trainerteam im Herbst ein gemeinsames sportliches Konzept beraten und beschlossen, welches uns als roter Faden in der Leistungsentwicklung dienen soll. Inwieweit die Umsetzung bereits gelungen ist, kann ich aktuell noch gar nicht sagen. Deshalb kann ich mich auch hier nur an Platzierungen und wenig repräsentative Eindrücke halten, wenn ich sage, dass wir auch in diesem Bereich Fortschritte machen. Die C-Jugend konnte die Meistertitel der B- und C-Jugend-Thüringenliga erkämpfen. Im Altersbereich der D-Jugend waren wir sowohl in Bad Langensalza (Platz 1) als auch in Erfurt (Platz 3) am Ball und konnten  ebenfalls hervorragende Ergebnisse erzielen. Auch die Jüngsten nahmen bereits an einigen Turnieren teil. Hier freuen wir uns vor allem über die gestiegene Anzahl an Spielerinnen in unseren Trainingsgruppen. Das ist wichtig, für unsere vereinsinterne Leistungspyramide. Nicht unerwähnt bleiben darf hier aber auch unser gemeinsames Projekt mit der ALLIANZ. Über Trainingscamps, Schul-AGs, Trainerweiterbildungen und viele weitere Maßnahmen kann es dem THC gelingen, hier auch nationale Maßstäbe zu setzen und sich toll weiter zu entwickeln.

 

Wenn man in Thüringen alle Titel gewinnt, klingt das gut. Aber was ist das wert und welche Entwicklungsfelder siehst Du trotz dieser Erfolge?

Was das wert ist, sieht man, wenn man über die Landesgrenzen hinaus blickt. Die D-Jugend konnte bei der Ostdeutschen Meisterschaft in Wismar mit dem 7. einen Mittelfeldplatz erringen. Das ist gemessen an den Vorjahren aller Ehren wert, zeigt aber doch schon auf, dass es schon noch Nachholbedarf gibt. Die C-Jugend war gegen die Mädchen aus Leipzig chancenlos, das muss man anerkennen. Auch auf Auswahlebene wird deutlich, dass unsere Nachwuchsligen spielerisch nicht so stark sind wie die der meisten anderen Landesverbände. Da setze ich gerne kurz meine hauptamtliche Verbandsbrille auf und sage, dass wir als THV daran gemeinsam mit unseren Vereinen weiter hart arbeiten müssen. Als Thüringer HC muss man sicherlich die Schlussfolgerung daraus ziehen, sich eher und viel häufiger außerhalb von Thüringen zu vergleichen, um sich an das höhere Niveau anzunähern. Wir müssen diese Altersbereiche aus meiner Sicht noch viel mehr als Basis unserer erfolgreichen Jugendarbeit begreifen und hier deutlich mehr investieren. Sich hier in Verbindung mit dem THV auf den Zuzug talentierter Mädchen über die tollen Strukturen des Sportgymnasiums zu verlassen ist mir zu wenig und wird dem Anspruch eines Nachwuchsleistungszentrums sicherlich nicht gerecht. Athletiktraining, Torwarttraining, Individuelles Training. Ich sehe in all diesen Bereichen durchaus noch viel Entwicklungspotenzial. Wir haben eine wahnsinnig tolle Zielmannschaft, gute Trainingsbedingungen und einen engagierten Vorstand. Darüber hinaus arbeiten hier überaus engagierte ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer, denen man nicht genug Danke sagen kann. Was mir fehlt, ist die breite Unterstützung der Wirtschaft für unsere Vereinsarbeit. Da lastet zu viel auf wenigen Schultern. Erfolgreiches Arbeiten ist heutzutage – und besonders im Leistungsbereich – immer Teamwork, unterstützt von hauptamtlicher Arbeit und Expertise. Ich wünsche mir, dass der THC sich nach der GmbH auch als Verein in diese Richtung entwickelt. Dabei helfe ich gerne im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten mit.

 

Du hast das Sportgymnasium und die Zusammenarbeit mit dem Thüringer Handball-Verband kurz angesprochen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit aus Deiner Sicht?

Ich denke, dass die Zusammenarbeit hier ein dauerhafter Prozess ist und man sich nie auf bestehenden Strukturen ausruhen kann. Mit dem Landestrainer Wolfgang Mosebach arbeitet dort ein überaus erfahrener Trainer im Vormittagstraining mit an der Leistungsentwicklung der Mädchen. Da bedarf es wahnsinnig vieler und kleingliedriger Absprachen mit den anderen Trainern, die mit diesen Mädchen arbeiten, um die Trainings- und Wettkampfbelastung optimal zu steuern. Das betrifft Vereinstrainer, THV Auswahltrainer, DHB-Stützpunkttrainer, Athletiktrainer, DHB Auswahltrainer und nicht zuletzt auch den verantwortlichen in Schule und Internat. Anhand dieser Aufzählung lässt sich schon erahnen, wie schwer diese Abstimmung fällt und dass es hier nie um bestmögliche, sondern nur um annähernd optimale Absprachen gehen kann – zumal die meisten Variablen in dieser Rechnung aktuell „nur“ ehrenamtlich arbeiten. Ich denke aber, dass wir mit dem Sportgymnasium und seiner Infrastruktur (Olympiastützpunkt, Medizinische Betreuung etc.) und der besten Frauenmannschaft Deutschlands im vergangenen Jahrzehnt deutschlandweit herausragende Entwicklungsbedingungen für junge engagierte und talentierte Mädchen vorweisen können. Nie zuvor haben sich so viele DHB-Spielerinnen in Erfurt getummelt. Das ist Chance und Verantwortung zugleich. Deshalb ist es unsere gemeinsame Aufgabe als Verein und Verband, diese tollen Bedingungen dann auch noch besser zu nutzen. In welchen Bereichen ich da noch Optimierungsbedarf sehe, habe ich bereits genannt. Ich verstehe mich da als Leistungssportkoordinator auch als ein wichtiges Bindeglied zwischen Verein und Verband.

 

Zum Abschluss möchte ich noch einmal den Bogen schließen und Dich nach Deiner persönlichen Zukunft befragen. Die Trainerposition der 2. Mannschaft hast Du nun nicht mehr inne?

Das ist richtig. Ich habe von vornherein gesagt, dass ich diese Aufgabe nur bis zum Saisonende übernehmen und meinen Teil am Klassenerhalt beitragen will. Zeitlich ist das über diese Saison hinaus nicht machbar. Im Verband arbeite ich als Verbandstrainer hauptverantwortlich mit den männlichen Auswahlmannschaften und bin darüber hinaus als Vorsitzender des Leistungssportausschusses im THV für die Traineraus- und Weiterbildung zuständig und Mitglied des THV-Präsidiums. Das bedeutet sehr viel Arbeit – auch an den Wochenenden. Ich sehe meine zukünftige Traineraufgabe im THC daher eher in der Unterstützung des Trainingsbetriebs in B- und C-Jugend sowie als DHB Stützpunkttrainer. Darüber hinaus engagiere ich mich gerne weiterhin als Bindeglied zwischen Verein und Verband.

 

Vielen Dank, Christian, und weiterhin viel Erfolg und Spaß an Deiner vielfältigen ehren- und hauptamtlichen Arbeit im Handball.