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Roman Knabe
60 Jahre Handball

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HaJo Steinbach

Roman Knabe beendet nach sechs Jahren seine Arbeit als Geschäftsstellenleiter des Thüringer HC e.V. - sein Hobby Handball und der "THC-Virus" bleiben, wenn auch in deutlich abgeschwächter Form.

Vor wenigen Tagen hast Du Deinen 70. Geburtstag gefeiert. Ein Jubiläum, um auch mal eine Bilanz zu ziehen. Der Handball hat dabei in Deinem Leben eine große Rolle gespielt?
Für den Geburtstag hatte ich den Wunsch, ihn mit den Menschen zu feiern, für die ich in den letzten Jahren oft nicht genügend Zeit hatte. Meine Frau Elke, meine Tochter Andrea und mein ältester Enkel Henrik haben mir an mehreren Tagen in Berlin diesen Wunsch mehr als erfüllt. Aber hier ist ja eine Handball-Bilanz gefragt. 1959, als Grundschüler, hatten wir in der Klasse die Idee, eine Mannschaftssportart zusammen zu betreiben. Da es in Möckern (bei Magdeburg, meinem Geburtsort) eine aktive Männerhandballmannschaft gab, haben wir uns damals schnell für den Handball entschieden. Die Schülermannschaft der BSG Traktor spielte im Kreismaßstab, zu den Spielen fuhren wir mit einem LKW, der zumindest Holzbänke und eine Plane für Schlechtwetter hatte. Letzteres verdarb uns so manche Sonntagsstimmung, wenn wir am Morgen erfuhren, dass wegen des Regens unser Spiel abgesagt wurde. Wir spielten auf dem Kleinfeld. Eine Halle gab es damals im ganzen Kreis nicht. Kann mich noch an ein Spiel nach einer 13 km Radfahrt erinnern - zurück nochmal dasselbe. ;-)

 

Du gehörst zu den Gründungsmitgliedern des Thüringer HC. Was hast Du vorher gemacht?
Das ist eine lange Geschichte. Ich besuchte die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) in Magdeburg, wo ich in der Leichtathletik als Mittelstreckler eingeschrieben war. Zusätzlich ging ich dann am Nachmittag, später am Abend, zum Handballtraining beim SC Magdeburg. Das war ein stressige Zeit, aber es machte sehr viel Spaß, in diesem renommierten  Sportclub trainieren und spielen zu dürfen. Mitunter war ich nach 22 Uhr zuhause, am nächsten Morgen klingelte um 5.45 Uhr der Wecker - den Zug durfte man nicht verpassen. Der Lehrer- und Trainerberuf faszinierte mich schon damals sehr, so begann ich 1965 in Magdeburg das Pädagogik-Studium. Als nach einem Jahr unser Lehrstuhl geschlossen wurde, stand ein Wechsel nach Halle oder Erfurt an. Damals habe ich eine für mich sehr gute Entscheidung getroffen. Neben dem Studium spielte ich Gitarre in einer Studentenband, sportlich schloss ich mich den Handballern an, die damals in der Bezirksliga spielten, Studententurniere besuchten  und für ein geselliges Miteinander bekannt waren.

  

Kinder und Jugendliche waren Dir immer sehr wichtig, nicht nur als Trainer, warum?

Es gab Ende der 60er Jahre einen Beschluss des damaligen Bezirksfachausschusses, der alle Vereine in der  Bezirksliga verpflichtete, eine Kinder- oder Jugendmannschaft im Spielbetrieb zu haben. Bernd Fleck, später Trainer bei UT Erfurt, und ich halfen da einmal aus und blieben dabei. Unsere damaligen Gegner von Motor Nord Erfurt freuten sich, dass mit der Gründung des Trainingszentrums Handball zwei engagierte junge Trainer zum Verein stießen, die ehrgeizig auch Leistungsziele im Verein verfolgten. 1974 wurde aus Motor Nord die BSG Umformtechnik, die eine umfangreiche Nachwuchsarbeit und entsprechende Erfolge nachweisen konnte. Es gab erste DDR-Meistertitel und die Frauenmannschaft blieb nach dem Aufstieg mehrere Jahre in der DDR-Oberliga, der höchsten Spielklasse. Mir hat die Arbeit mit Jugendlichen immer sehr viel bedeutet - intensiver engagierte ich mich dann als meine Mädchen 1981 in Bützow den DDR-Vizemeistertitel der 11-12 Jährigen erringen konnten. Wir unterlagen dort nur der TSG Wismar. Bemerkenswert: In diesem Spiel begegneten sich erstmals zwei spätere Weltmeisterinnen von 1993, Sybille Gruner aus Erfurt und Andrea Stein (heute Bölk), die Mutter von Emily Bölk aus Wismar.

 

Woran erinnerst Du Dich besonders gern?

Es sind die vielen schönen Erlebnisse mit Mannschaften und Sportfreunden, nicht nur auf dem Spielfeld. Besonders die Turniere in Kynzvart (Tschech. Republik), die bei uns organisierten Turnierwochen für mehrere Altersklassen (schlafen im Klassenraum auf Camping-Liegen, die tolle Gemeinschaft von Spielern, Trainern und Eltern bei Meisterschaften aber auch bei Abschlussfahrten (Zelten und Freilufthandball in Holland). Auch die Sportfreundschaft mit anderen Vereinen, die durch das Spielen in der Bezirksauswahl gefördert wurde. So errangen die Erfurter und die Eisenacher Mädchen zusammen die Spartakiade Goldmedaille in Berlin 1985. Von all den Erinnerungen haben diese Medaille und die DDR-Meister-Medaille von 1984 einen besonderen Platz.


Nun willst Du als Leiter der Geschäftsstelle Erfurt das Feld räumen - fällt es Dir leicht?

2011-2013 gab es keine Geschäftsstelle des Vereins mehr - fast alle Aufgaben landeten beim damaligen Vorsitzenden, Dr. Karsten Döring, der das einfach nicht mehr stemmen konnte. Ich war im Vorruhestand und bot ihm an, einige Verwaltungsaufgaben im Mini-Job zu übernehmen. Die Arbeit wuchs von Jahr zu Jahr an und ich arbeitete ab 2016 als Geschäftsstellenleiter, konnte gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern arbeitsfähige Strukturen entwickeln.  Ich habe während und nach meiner Arbeit als Nachwuchstrainer verschiedene Aufgaben im Verein bewältigt - es bot sich an, dass ich als Informatik-Lehrer die erste Vereinshomepage “gebaut” habe. Inzwischen haben wir nach gut 20 Jahren die vierte Generation - mit der rasanten Entwicklung der Hardware vom Computer zum “Minicomputer Smartphone” muss heute alles responsiv programmiert werden. Die Eisenacher Firma Sichtweise hat da bisher in Stufe 1 eine sehr gute Lösung erstellt - das Angebot soll künftig noch breiter und moderner werden. Diese Arbeit machte mir Spaß, die Pressearbeit lag am Boden, so bot sich an, mit redaktionellen Inhalten auch die Presse “zu bedienen”. Viele Jahre hat uns Mario Gentzel als freier Fotograf zuverlässig begleitet - mit der Fortentwicklung der Foto- und Videotechnik fanden sich Fans im Verein, die diese Aufgaben im Ehrenamt realisiert haben. Liveticker, Livestream, Fotos, Youtube-Kanal - die Medienaufgaben wuchsen auch durch die Champions League sehr schnell. Heute lässt sich das alles nur noch in einer sehr gut koordinierten Teamarbeit bewältigen - zur AG Presse/Medien gehören aktuell 11 Mitstreiter, die unter Führung von Bernd Hohnstein auch die harten englischen Wochen gut gemeistert haben. Innerhalb von sieben Tagen ist da ein großes Paket an Aufgaben vom Programmheft, der Pressekonferenz mit Vorbericht, Spielbericht, Livestream und Liveticker, Video-Talk für drei Spiele zu stemmen. Sind davon zwei Heimpartien, kommen Livestream-Kommentar und anschließendes Mediengespräch im VIP-Raum dazu, Aufgaben die Wolfgang Zilling seit Jahren mit  Kompetenz und Herzblut erfolgreich realisiert. Diese Arbeit im Team ist gewachsen und macht mir immer wieder Spaß. Leider ist es so, dass die Büroarbeit im Verein und die Medienarbeit täglich viele Stunden konzentrierter Arbeit erfordern. Diese Doppelbelastung durch e.V.  und  GmbH werde ich ab 30.06. dieses Jahres nicht mehr schultern, helfe aber weiter mit, dass neue Lösungen erfolgreich umgesetzt werden können

 

Hat man mit 70 noch Träume und Wünsche?

Auf jeden Fall. So wünsche ich mir, dass ich gesund die Entwicklung meiner vier Enkel in Uni, Schule und Kindergarten begleiten kann, dass  mir genügend Zeit mit meiner Frau bleibt, die viele Jahre immer wieder sehr viel Verständnis für den “THC-Virus” aufge- bracht hat. Dinge erleben, für die bisher oft einfach die Zeit fehlte. Aber ganz ohne den Handball wird es nicht gehen. So wünsche ich mir immer wieder Spaß mit der Teamarbeit im Verein und den vielen Mitstreitern, denen ich gern ein paar persönliche Worte widmen möchte ...

Dank an Mitstreiter und Weggefährten

Horst Bechthum, Jürgen (Seppl) Brünner, Bernd Fleck (mit ihnen bildete ich in den 1970ern das "Erfolgsquartett" im weiblichen Bereich der damaligen BSG Umformtechnik) - Klaus Stein (kam zu uns als die BSG UT weibliches Leistungszentrum wurde und ergänzte das Quartett bestens) +++ Sybille Gruner (kam von der BSG Lok zum Leistungszentrum, wurde mit 13 Jahren zum HC Leipzig delegiert und dann 1993 Weltmeisterin) +++ Andrea Knabe (meine Tochter, sie war bei der Vizemeisterschaft der Altersklasse 12 im Team und wurde später die jüngste Übungsleiterin im Verein) +++ Erika Gruner, Paul Steinbrück, Mike Möller, Ralf Haubenschild (sie kamen durch ihre Kinder zum Handball und waren die besten Mannschaftsbetreuer, die ich mir wünschen konnte  .. Herzlichen Dank für die vielen Stunden und die tollen Ideen für die Mädchen) +++ Richard Schaefer (kam durch Tochter Sandra und war dann im Vorstand als Pressewart aktiv +++ Dago Leukefeld (der Sondershäuser beeindruckte mich im Kurs für die erste Trainerlizenz und machte kurz darauf seinen Weg bei UT Erfurt .. von der DDR-Juniorenliga, bis zur Frauenmannschaft – wurde 2003 Deutscher Meister mit den Trierer Miezen und erreichte mit dem THC  2005 den Aufstieg in die 1. BL und 2009 das Finale des EHF Challenge Cups ) +++ Bernd Pflock (der Eisenacher Sportlehrer, als Aktiver im Fechten erfolgreich, trainierte mit mir zusammen die Bezirksauswahl der AK 13 .. wir gewannen 1985 mit der Auswahl DDR-Spartakiadegold) +++ Dirk Kley ( gemeinsam bei Jugend trainiert für Olympia, dann erfolgreicher Trainer im Jugendbereich - Deutscher Vizemeister 2009, bis heute ein super Sportfreund, dem die Vereinsjugend am Herzen liegt)  +++ Wolfgang Birth † ( langjähriger Vorsitzender des Bezirksfachausschusses bis 1990, THV-Präsident bis 2014, hatte immer die Einheit von Erwachsenen- und Jugendhandball im Blick  -er bleibt eine unvergessene Persönlichkeit)  +++  Sabine Puttfarken (die Grundschullehrerin arbeitete mit viel Engagement als Kindertrainerin und führte nebenbei lange das Amt der Schatzmeisterin aus – eine tolle Persönlichkeit, die den Zweifelderball in der Stadt populär machte) +++ Frank  Puttfarken †  (erfolgreicher Nachwuchstrainer über fast 30 Jahre, wir beide erwarben kurz nach der Wende gemeinsam die Trainerlizenz B  +++ Marion Hermann (sie war viele Jahre als Jugendwartin und „Mädchen für viele Fälle“ eine Seele des Vereins, bevor sie Ehrenmitglied des THC wurde) +++ Wolfgang Mosebach (kam als Kreissportlehrer aus dem Landkreis zu UT Erfurt und trainierte, von der B-Jugend bis zu den Frauen, Teams im Verein .. erfolgreichster Nachwuchstrainer mit 3 Meistertiteln der B-Jugend und 5 x Gold bei  „Jugend trainiert für Olympia) +++ Dr. Karsten Döring (der Zahnarzt und Spieler im Männerteam brachte fast 25 Jahre seine ganze Freizeit für die Schaffung eines Hochleistungsteams mit starkem Unterbau im Jugendbereich ein – die Entwicklung des THC wäre ohne ihn im Verbund mit Bernhard Schönau und Dr. Klaus Kliem nicht möglich gewesen – größte Anerkennung +++ Ingo Irovsky (THC-Gründungsmitglied, der langjährige Abteilungsleiter Handball, Trainer und Vorstandsmitglied stellt stets das Vereinswohl vor persönliche Befindlichkeiten - vorbildlich   +++ Catrin Finger (die neben einer enormen beruflichen Belastung und der familiären Verantwortung das schwere Erbe Karsten Dörings übernommen hat und vor allem wieder neue Impulse im Nachwuchsbereich setzen konnte  +++ Udo Braun (das Urgestein mit 82 Jahren war der erfolgreiche Scout des Vereins – seine Schützlinge wie Dinah Eckerle, Isabelle Roch, Shenia Minevskaja, Carolin Schmele und deren Eltern halten noch immer guten Kontakt zu ihm +++ Bernd Hohnstein (der Fahrschullehrer für Gefahrgut u.a. Sonderaufgaben übernahm ab 2007 das Amt des Pressesprechers und füllt es bis heute vorbildlich und mit hohem Engagement aus – bildete die Arbeitsgruppe Presse-Medien im Verein +++ Wolfgang Zilling (er beherrscht die leisen und kräftigen Töne bei Moderation und Spielkommentar, leistet seit vielen Jahren eine tolle Arbeit bei jedem Heimspiel in der Bundesliga und Champions League .. nicht zu toppen, auf seinem Gebiet ein Diamant! +++ Michael Zilling (in vielen Ehrenämtern zuhause, hilft immer, wenn dringender Bedarf besteht – zuletzt 2015 als das Programmheft in Gefahr war +++ HaJo Steinbach (den leidenschaftlichen Jäger erwischte der "THC-Virus" um 2010 – mit Statistik und Fotojahrbüchern begann es – heute ist HaJo aus der AG Presse-Medien mit seinen Vorberichten, den Pressekonferenz-Videos und als Chefredakteur des Programmheftes nicht mehr wegzudenken +++ Tobias Busch (der noch aktive Torwart hat sein Studium des Sportmanagements neben seiner Arbeit im Geschäftsbereich der THC-Sport GmbH abgeschlossen, ich schätze seine ruhige, kompetente Arbeitsweise .. habe sehr gern mit ihm an verschiedenen Aufgaben gearbeitet … +++ Thomas Zingler (mit dem Bauingenieur und Berufsschullehrer arbeitete ich fast die ganze THC-Zeit gut und gern zusammen, freue mich, dass er meine Aufgabe als Geschäftsstellenleiter übernimmt)


Ich müsste hier noch viele weitere wichtige Menschen aufzählen – diese tollen Protagonisten sollen für alle stehen, die diesen Verein vorwärts gebracht haben oder es auch noch heute tun. Ich danke allen, dass ich mit ihnen arbeiten konnte und es zum Teil noch weiter kann.


Das Foto zeigt die Auswahl des Bezirkes Erfurt, die mit ihren Trainern Bernd Pflock (links)  und Roman Knabe in den 80er Jahren in der DDR-Leistungsspitze zu finden war.