EHF European League

In Molde Runde drei erzwingen

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HaJo Steinbach

Am Sonntag hat der Thüringer HC mit einer schwachen Leistung nicht nur eine Vorentscheidung verpatzt, ist sogar als Verlierer von der Platte gegangen und muss nun gegen Molde Elite im Rückspiel punkten, um noch in die dritte Qualifikationsrunde zur EHF European League einzuziehen. Dort würde der französische Vertreter Chambray Touraine als neue internationale Herausforderung warten.

Rückblick:
Nicht nur Herbert Müller weiß, dass es die Mannschaft viel besser kann. „Es ist uns an diesem Sonntag nicht gelungen, nach der Länderspielpause wieder das Level von den Spielen zuvor gegen Metzingen oder Blomberg-Lippe zu erreichen. Der THC hat nicht verloren, weil die Norwegerinnen so gut waren, wir waren einfach schlecht“, bilanziert Herbert Müller und macht das Ganze vor allem an der desaströsen Abwehrleistung fest. „Wir haben in der Deckung nicht nur keine Zweikämpfe gewonnen, wir haben überhaupt keine Zweikämpfe geführt“, kritisiert Herbert Müller das eigene Abwehrverhalten. Mit den 32 erzielten Toren kann der Trainer gut leben, aber nur dann, wenn man keine 35 Gegentore erhält. Die Ursache unserer Niederlage war eher unsere Schwäche als die Stärke des Gegners. Genau darin sieht der Trainer des THC die Chance für das Rückspiel in Molde. Aber da war noch das Bundesligaspiel auswärts gegen die HL Buchholz 08-Rosengarten am gestrigen Mittwochabend. Das Pflichtspiel wurde gewonnen. In den ersten 20 Minuten zeigte die Mannschaft ganz ansehnlicher Handball, aber warum beim 11:5 für die Thüringerinnen der Spielfaden riss, bleibt wohl ein Geheimnis. Die Konstanz über 60 Minuten wird in Molde notwendig sein, um den Bock noch umzustoßen. Gestern, das war ein Pflichtsieg ohne Schönheitspreis. Insgesamt haben sich alle Europa-Starter gequält, Blomberg-Lippe hat sein Heimspiel sogar gegen den bisher sieglosen VfL Oldenburg verloren, der BVB gerade so in Bensheim gewonnen. “Wir sind gestern bei unserer langen Verletztenliste nur mit neun Feldspielerinnen angereist, dabei hat uns Fine Huber als Abwehrchefin schon sehr gefehlt, die an starken Rückenschmerzen litt.” Das Positive sieht Herbert Müller am letztlich klaren Erfolg im Schlussdrittel, als die nicht aufgebenden, immer den Kampf suchenden Gastgeberinnen bis auf ein Tor herangekommen waren, der THC mit einem 4:0-Lauf die Weichen auf Sieg stellte, auch dank einer energisch handelnden Lamprini Tsakalou.

Zum Spiel:
Die Vorzeichen sind alles andere als gut. Eine ewig lange Busfahrt bis vor die Tore von Hamburg und zu allem Unglück und verständlichen Verdruss von Herbert Müller noch eine zeitraubende Dopingkontrolle. Um kurz nach vier Uhr am Morgen waren die Mädels zu Hause und am Freitag geht es planmäßig um diese Zeit mit dem Bus nach Berlin, mit dem Flieger nach Oslo und nach 5 Stunden Wartezeit auf dem Flughafen noch eine Stunde im Flieger weiter nach Molde. Dort ist am Abend noch ein Training in der Spielhalle angesetzt. Stress ohne Ende. Nicht, dass der THC das nicht kennt, schließlich spielt man das 10. Jahr in Folge international und weiß englische Wochen bedeuten. Für viele Spielerinnen ist dieses Szenario die körperliche und psychische Belastung Neuland. Bis dahin gibt es noch eine Video-Analyse und ein Abschlusstraining am Donnerstagabend, wo Herbert Müller noch einmal mit den Mädels unser schnelles Spiel auf die Tagesordnung stellen will. "Wir sehen jetzt nur auf uns und nach vorn. In Molde alles besser machen und das Weiterkommen erzwingen, so für eine positive Überraschung sorgen“, erklärt Herbert Müller vor der Abreise, wohl wissend, dass es schwer wird, aber nicht unmöglich. Der THC muss nur das auf die Platte bringt, was er eigentlich kann und schon gezeigt hat. „Mit vier Toren zu gewinnen bedeutet, ein Tor pro Viertelstunde vorzulegen”, meint der Mathematiker. “Die Lage wie sie ist, haben wir uns selbst eingebrockt, jetzt müssen wir eben das Glück des Tüchtigen erzwingen, das ist das Ziel“, so der Chef abschließend.

Zum Kader:
Die Lage bleibt angespannt. Luca Szekerczés kann nicht mit ausreisen, weil sie in Norwegen als mit Sputnik geimpft in Quarantäne müsste. Josefine Huber wird hoffentlich wieder fit, sie wird in der Abwehrmitte unbedingt gebraucht. Ansonsten steht der Kader wie zuletzt ohne die langzeitverletzten Sieben.

Trainergespräch vor dem Spiel gegen Molde Elite (NOR)