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II. 2010-2020: Der Weg in die Top Ten Europas

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HaJo Steinbach/Bernd Hohnstein/Roman Knabe

In den letzten zehn Jahren sicherte sich der THC siebenmal den Deutschen Meistertitel, gewann je dreimal den DHB-Pokal und Supercup und etablierte sich in Europas höchstem Spielwettbewerb, der EHF Champions League.

Aus zwei Sportvereinen, Standorte 40 km entfernt, entwickelte sich binnen weniger Jahre der erfolgreichste Frauenhandballverein Deutschlands. In den letzten zehn Jahren sicherte sich der Thüringer Handball Club siebenmal den Deutschen Meistertitel, gewann je dreimal den DHB-Pokal und Supercup und etablierte sich in Europas höchstem Spielwettbewerb, der EHF Champions League.

Mit der Übernahme des Traineramtes durch Herbert Müller begann in der Saison 2010/11 mit dem Gewinn des Doubles aus Deutscher Meisterschaft und DHB-Pokal eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Höhepunkte dieser Jahre waren die mitteldeutschen Derbys zwischen dem Handball Club Leipzig (mit sechs Meistertiteln in der Handball Bundesliga Frauen (HBF) und 16 Meistertiteln in der DDR) und dem Herausforderer Thüringer HC. Beim Fantreffen vor Saisonbeginn richtete einer der zahlreichen THC-Fans an den neuen Trainer Herbert Müller einen ganz besonderen Wusch: “Einmal, nur einmal gegen den großen HCL zu gewinnen.” Das gelang dann auch gleich im ersten Saisonspiel in der Höhle des Löwen, in Leipzig. Doch damit nicht genug, von nun an bestimmte der THC das Niveau in der Bundesliga und ließ die alten Rivalen HC Leipzig, Bayer 04 Leverkusen, Buxtehuder SV hinter sich Platz nehmen. Sechs Jahre in Folge wurde der Titel errungen. Die kleine Salzahalle in der Thüringer Provinz wurde zur gefürchteten „Salza-Hölle“. Der Name „Müller“ wurde durch Cheftrainer  Herbert und seinen Bruder, Co.-Trainer Helfried, zur „Meistermarke“. Maik Schenk - erst als Teammanager, dann als Geschäftsführer der THC Sport-GmbH - sichert bis heute für das Trainerduo rund um die Uhr die notwendigen Dinge um das Team, ist in vielen Fragen Ansprechpartner und Helfer zugleich. "Schenkus" setzt die Arbeit von Tobias Busch fort, der von 2013 bis 2018 als Geschäftsführer tätig war und parallel sein Masterstudium erfolgreich abschließen konnte.

Die wirtschaftliche und sportliche Grundlage war die Bildung der THC Sport-GmbH in der Saison 2006/07. Zunächst engagierten sich im Aufsichtsrat ADIB-Chef Dr. Klaus Kliem, Bürgermeister Bernhard Schönau und der Erfurter Zahnarzt Dr. Karsten Döring als Vereinsvorsitzender. Sie lenkten die Geschicke des Vereins bis 2016, dann übernahmen die Unternehmer Helmut Peter (Nordhausen) und Robert Böhm (Mühlhausen) gemeinsam das Zepter.  An der Spitze der Sponsoren sorgten sie für ein ruhiges Fahrwasser und stabile Finanzen. Das zweite Double gelang in der Saison 2012/13 mit dem DHB-Pokalsieg in Göppingen (Finale gegen den HC Leipzig).

13 Titel mit 261 Spielen

Zwischen zwei Vizemeisterschaften 2016/17 und 2018/19 erspielte sich das Team auch 2018 die Deutsche Meisterschaft. 2019 wurde gegen den neuen Rivalen und Deutschen Meister SG BBM Bietigheim zum dritten Male in der Vereinsgeschichte der DHB-Pokal in Stuttgart gewonnen. Die Meisterschaft 2019 wurde mit nur einer Niederlage und durch die schlechtere Tordifferenz gegenüber Meister Bietigheim denkbar knapp verpasst. Zusammen mit drei Supercup Siegen erspielte sich der THC in zehn Jahren 13 Titel, bestritt 261 Spiele, wovon man 221 gewann. Es gab nur 31 Niederlagen, davon allein fünf in der letzten Saison, die nach 17 Spielen wegen der „Corona-Virus-Pandemie“ abgebrochen wurde. 

Achtmal nahm der Verein an der EHF-Champions League teil und erreichte siebenmal die Hauptrunde. 2014/15 gab es den größten Erfolg, den Einzug ins Viertelfinale der besten acht Teams Europas.  Im EHF-Cup debütierte der THC 2019/20 und erreichte gleich das Viertelfinale, in dem man sich, stark ersatzgeschwächt, gegen den kroatischen Meister Podravka Vegeta aus Koprivnica geschlagen geben musste. Somit kann sich der THC auch international als erfolgreichste Frauenhandballmannschaft Deutschlands in der jüngsten Sportgeschichte betrachten. Rückblickend erscheint es wie ein kleines Wunder, dass der in Thüringen heimische Verein solange den deutschen Frauenhandball dominiert hat. Dafür steht auch aktuell das Erreichen des Olymp-FINAL4 um den DHB-Pokal 2020, an dessen Realisierung allerdings bisher noch nicht zu denken ist.

Statistischer Rückblick

In 20 Jahren liefen bisher insgesamt 113 Spielerinnen aus 22 verschiedenen Nationen in Pflichtspielen für den Thüringer HC auf. In dem immer wieder als familiär beschriebenen Vereinsklima belegt dieser Fakt die “gelebte Integration”. Eine Vielzahl ehemaliger THC-Spielerinnen brachte es dabei zu beachtlichen Erfolgen in europäischen Spitzenclubs, in der Champions League sowie mit ihren Nationalmannschaften bei Welt- und Europameisterschaften. Eine vollständige namentliche Aufzählung würde hier den Rahmen sprengen. Der Verein wurde im Laufe seiner Entwicklung auch zu einer der Kaderschmieden für die deutsche Nationalmannschaft. Zahlreiche Spielerinnen vertraten unser Land bei Welt- und Europameisterschaften. 

Spieleinsätze für den THC

Kerstin Wohlbold und Katrin Engel - zwei Muster an Zuverlässigkeit und Einsatzstärke  tragen sich hier ins Goldene Buch der Stadt Bad Langensalza ein.

Die erfolgreichsten Werferinnen

Der Ausblick

Der THC plant für Anfang Juli den Start der Saisonvorbereitung mit sieben erfahrenen Neuzugängen. Die Fans freuen sich auf die neue Mannschaft und auf eine neue Halle. Die Salza-Halle soll noch im September, nach anderthalbjährigem Umbau, in neuem Gewand erstrahlen. Mit zwei Tribünen, mit einem Fassungsvermögen von 1.700 Zuschauern und modernen Funktionsräumen. Die Freude auf den Saisonstart ist groß.