EHF-CUP

“Wunder von Nordhausen” blieb aus

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Martin Holzheier

Im Rückspiel des Viertelfinales im EHF-Cups trennten sich der Thüringer HC und RK Podravka Vegeta 28:34 (15:17).

Damit zieht der kroatische Meister verdient in das Halbfinale des EHF-Cups ein. Die internationale Reise des Thüringer HC ist dagegen für diese Saison beendet. Der THC begann schnell, musste sich im weiteren Spielverlauf dem Druck der Gäste und aufgrund zu vieler eigener Fehler geschlagen geben.
Beste Torschützin aufseiten des Thüringer HC war Emily Bölk mit neun Treffern. Für die Gäste waren Lamprini Tsakalou und Dijana Mugosa mit je sechs Toren erfolgreich.

Nach der Niederlage im Hinspiel mit vier Toren, wollte das THC-Team zeigen, dass es mit Kampfgeist und den Fans im Rücken das Wunder von Nordhausen schaffen kann. Auch dass man bereit ist, um den Einzug ins Halbfinale des EHF-Cups zu kämpfen. Den ersten Angriff konnte Emily Bölk unter dem passiven Vorzeichen erfolgreich abschließen. Nach fünf gespielten Minuten glichen die Gäste durch Aneja Beganovic auf 2:2 aus. Alicia Stolle traf, von der für sie ungewohnten Kreisspieler-Position, zum 5:3. Den ersten Siebenmeter des Spiels verwandelte Beate Scheffknecht in der zehnten Minute sicher zum 7:5. Zwei Minuten später gingen die Gäste aus Kroatien mit drei Treffern in Folge das erste Mal mit 7:8 in Führung. Es klemmte im Angriff der Thüringerinnen und die Abwehr stand nicht wie gewohnt dicht. In der 13. Minute kassierte Alicia Stolle die erste Zeitstrafe, das Überzahlspiel nutzten die Gäste, um die Führung auf zwei Tore auszubauen (8:10). Almudena Rodriguez hatte zweimal Pech und traf nur den Pfosten. Damit war eine mögliche Führung der Thüringerinnen in dieser Phase vergeben. Zehn Minuten vor der Pause stand ein 12:14 auf der Anzeigetafel, die nötigen fünf Tore Vorsprung waren in weiter Ferne. Herbert Müller nahm daraufhin seine erste Auszeit und zeigte sich mit den bislang gezeigten Leistungen höchst unzufrieden. Der deutsche Vizemeister verkürzte auf 13:14, bevor Emily Bölk zwei Minuten auf die Bank beordert wurde. Den fälligen Strafwurf der Kroatinnen konnte Ann-Cathrin Giegerich entschärfen. Beate Scheffknecht machte es auf der Gegenseite besser und schaffte in der 26. Minute wieder den Ausgleich zum 14:14 von der Strafwurflinie. Eine Minute vor dem Halbzeitpfiff legte Zlatko Saracevic, beim Stand von 15:15, seine erste grüne Karte. In seiner Ansage fand er offenbar die richtigen Worte und die Gäste gingen mit zwei Toren Vorsprung in die Kabine - 15:17.

Dem Thüringer HC stand nun vor der schweren Aufgabe, in der zweiten Halbzeit sieben Tore aufzuholen. Es musste also ein Wunder in Nordhausen her.
Emily Bölk eröffnete die Torstatistik der zweiten Halbzeit. Ihre Gegenspielerin Ana Turk bekam für ihr hartes Einsteigen eine Zweiminutenstrafe. Alicia Stolle gelang der Ausgleich zum 17:17, die Gäste hatten jedoch sofort die Antwort parat. Im Angriffsspiel war nach acht Minuten der zweiten Halbzeit wieder der Wurm drin. Die Thüringerinnen vergaben den Ball leichtsinnig oder trafen neben das Tor. Folgerichtig konterten die Gäste ein ums andere Mal und blieben dank erfolgreichen Abschluss in Führung. Obwohl die Kroatinnen durch Zeitstrafen in Unterzahl spielten, zog der THC für sich keinen Nutzen. Nach 42 Minuten war man zwar immer noch auf ein Tor ran, für den Einzug ins Halbfinale war es doch nur ein ernüchterndes 19:20. Herbert Müller war an der Seitenlinie am Verzweifeln und zeigte dies mehr als deutlich. Ihm blieb keine Möglichkeit des Eingreifens und so legte er die nächste grüne Karte. Die Ansprache an seine Spielerinnen war ungewohnt laut und flehend, er wollte wenigstens das Spiel gewinnen. Emily Bölk erhielt Mitte der zweiten Spielhälfte ihre nächste Zeitstrafe, die die Gäste nutzten, um mit 22:24 in Führung zu gehen. Das Angriffsspiel der Thüringerinnen lief einfach nicht rund und hinten wurden zu einfache Tore kassiert. Es waren noch knapp zehn Minuten zu spielen, als Zlatko Saracevic sein zweites Timeout einforderte. Er schien davon überzeugt, dass seine Frauen das vom THC erhoffte Wunder von Nordhausen verhindern und als Siegerinnen vom Platz gehen würden. Die Fans der Roten Wand unterstützten den Thüringer HC weiterhin lautstark, aber das allein genügte nicht. RK Podravka Vegeta zeigte in der Schlussphase, wie schneller Handball gespielt wird und ging fünf Minuten vor dem Abpfiff mit sechs Toren in Führung. Der THC wehrte sich verbissen, aber es reichte nur zur Ergebniskosmetik. Am Ende gewann der kroatische Meister, auch in dieser Höhe verdient, mit 34:28 und zieht damit ins Halbfinale um den EHF-Cup ein.

Stimmen zum Spiel:

Zlatko Saracevic (RK Podravka Vegeta): Wir sind hergekommen, um auch hier zu gewinnen. Das hat mein Team hervorragend umgesetzt. Mit dieser Leistung haben wir auch eine Chance das Halbfinale erfolgreich zu spielen.

Herbert Müller (Thüringer HC): Das Wichtigste zum Anfang. Wir sind heute verdient ausgeschieden. Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir zu viele Chancen liegen lassen, zu viele einfache Tore nicht geworfen. Die Abwehr war heute auch nicht aggressiv genug und in der zweiten Halbzeit gab es dann auch zu viele technische Fehler. Als einzige Spielerin kann ich heute nur Emily Bölk hervorheben, die sich 60 Minuten gegen die Niederlage gestemmt hat. Wir sollten nun den Kopf freibekommen und den vierten Platz in der Meisterschaft sichern und zum Final 4 noch mal zeigen, was wir als Mannschaft leisten können.

 

Pressegespräch nach dem Spiel

Statistik:

Thüringer HC: Marie Skurtveit Davidsen, Ann-Cathrin Giegerich; Mariana Ferreira Lopes 3, Beate Scheffknecht 6, Alexandra Mazzucco, Almudena Rodriguez Rodriguez, Jovana Sazdovska 1, Alicia Stolle 3, Emily Bölk 9, Ina Großmann, Mia Biltoft, Mikaela Mässing 2, Lydia Jakubisova 4.

RK Podravka Vegeta: Jovana Risovic, Magdalena Ecimovic; Ana Turk 2, Aneja Beganovic 2, Korina Karlovcan 2, Elena Popovic, Dragica Dzono 2, Dejana Milosavljevic 5, Dijana Mugosa 6, Lea Franusic, Tjasa Stanko 1, Elena Gjorgjijevska 2, Lamprini Tsakalou 6, Aneta Benko 2, Azenaide Danila Jose Carlos 4.

Strafwürfe: 4/3 - 2/0.

Zeitstrafen: 3 - 5.

Zuschauer: 1300.

Schiedsrichter: Andrej Budzak/Michal Zahradnik (SVK).

EHF-Delegierter: Lars Berndtsson (SWE).