Vereinsinfos

III. Erfolgreiche Nachwuchsarbeit mit Konzept

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Roman Knabe, Dank für alle Zuarbeiten

Der Thüringer HC ist über die Landesgrenzen für seine erfolgreiche Nachwuchsarbeit im weiblichen Bereich bekannt. In den zurückliegenden 20 Jahren absolvierte eine Vielzahl von Jugendlichen das Erfurter Sportgymnasium"Pierre de Coubertin", viele von ihnen erreichten nationale und internationale Erfolge.

Vorbemerkungen

20 Jahre Jugendarbeit beim Thüringer HC bedeutet einen Rückblick auf die Arbeit vieler Ehrenamtlicher mit Kindern und Jugendlichen, auf Erfolge und Höhepunkte im sportlichen und sozialen Leben. Nach den Jahren mit einer Gleichgewichtung von Leistungs- und breitensportlicher Arbeit begann um die Jahrtausendwende die verstärkte Hinwendung zu leistungsorientierter Ausbildung. Das wurde möglich durch die Öffnung des Erfurter Sportgymnasiums “Pierre de Coubertin” für die Sportart Handball und einer sehr guten Zusammenarbeit zwischen der Schule und dem Thüringer Handball Club Erfurt-Bad Langensalza. Besonders der Vereinsvorsitzende Dr. Karsten Döring legte großes Augenmerk auf eine solide Ausbildung und die bestmögliche schulische und sportliche Förderung leistungsbereiter Mädchen. Seiner Initiative ist die Einführung von Sport-Leistungsstipendien zu verdanken.

2000 bis 2005: Handballerinnen werden Sportschüler

Die Mannschaften des neu gegründeten Vereins setzen sich zusammen aus Jugendlichen der Bereiche Erfurt und Langensalza und dominierten mit ihren sportlichen Leistungen die meisten Altersklassen im Bereich des Thüringer Handball Verbandes. Im Jahr 2002 wurde mit Unterstützung des Langensalzaer Gymnasiums eine erste Handballklasse mit 30 Schülern (15 Jungen/15 Mädchen) eröffnet - die meisten Stunden im Unterricht und Training gestaltete Dirk Kley (Mathe/Physik-Lehrer und Trainer im Ehrenamt). In der Folge wurden das Salza-Gymnasium und das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Erfurt mehrfach Landessieger des Schulwettbewerbs “Jugend trainiert für Olympia” und nahmen an den Bundesfinals in Berlin teil. Die Jungen konnten dabei einen hervorragenden 5.Platz belegen - nicht ganz so erfolgreich waren die Mädchen mit Platz 7 und 9 von jeweils 16 Bundesländern. 

Das Motto "Wir holen die Kinder von der Straße!" des HC Erfurt, wurde in den neuen Verein übernommen. Die Hauptmaßnahme war die Stadtmeisterschaft Zweifelderball, begründet durch Sabine Puttfarken, Grundschullehrerin und ehrenamtliche Trainerin im Nachwuchs. Die Veranstaltung wurde vom Schulamt in Zusammenarbeit mit dem THC durchgeführt und von der Sparkasse Erfurt unterstützt. Mehrere hundert Mädchen und Jungen der 3. und 4. Klassen kämpften jährlich mit Begeisterung um den Stadtmeistertitel. 2018 gab es die 25. Auflage der Veranstaltung, die es, weitergeführt in der Organisation von Marion Hermann, seit 2005 in den Veranstaltungskalender des Schulamtes  und in den der Stadt Bad Langensalza geschafft hatte. Inzwischen gibt es den Wettbewerb auch bei "Jugend trainiert für Olympia" - es wird ein Landessieger in Thüringen ermittelt, der am Bundesfinale teilnimmt. Viele der Teilnehmer blieben in Handball-AG an ihren Schulen, einige fanden dann den Weg in den Verein.

Der erste Erfolg im nationalen Bereich wurde 2003 erzielt. Die A-Jugend von Trainer Eckhard Schwarz errang die Silbermedaille der Deutschen Meisterschaft. Ebenfalls den Vizemeisterrang erreichte Trainer Dirk Kley mit seiner B-Jugend 2005. Mit starken Spielen kämpfte sich sein Team ins Finale. Dort ging es in Hin- und Rückspiel gegen den PSV Rostock. Bitter: Am Ende fehlte unseren Mädels ein Treffer am Meistertitel. Punkt- und torgleich entschieden die Auswärtstreffer zugunsten der Rostockerinnen.
In der erfolgreichen Mannschaft standen neben den Sportschülerinnen Tina Michel (Suhl), Anna Eber, Julia Thomae, Mariana und Luisa Krasemann (Sonneberg), Katharina Loest (Duderstadt) Nadja Bolze, Annemarie Brendel, Anne Kurstedt (Erfurt) auch die "Stadtmädchen" Anne Breitschuh, Katrin Domagk und Tina Ernst.

Statistik:

18.6.2005   THC Erfurt/Bad Langensalza - PSV Rostock30:24
25.6.2005   PSV Rostock - THC Erfurt/Bad Langensalza24:18

2006 - 2010: Drei Meisterschaftserfolge - THC wird DHB-Stützpunkt

2006 begann die erfolgreichste Zeit des thüringer Handball-Nachwuchses. Landestrainer Wolfgang Mosebach, der im Ehrenamt die B-Jugend trainierte , holte mit seinen Mädels dreimal den Meistertitel nach Thüringen. 2006, 2007 und 2009 gelangen diese Erfolge - die Grundlage bildete, dass eine Vielzahl von Mädchen sich für ihren sportlichen Weg in Erfurt, am Sportgymnasium "Pierre de Coubertin" und beim Thüringer HC, zu gehen. Der Vereinsscout Udo Braun pflegte nicht nur einen guten Kontakt zu den Mädels, mit seiner überlegten, präzisen Art überzeugte er auch deren Eltern von der Richtigkeit ihrer Entscheidung. Gemeinsam mit Dr. Wolfgang Schuh, der die medizinische Betreuung der Mädels inne hatte, der langjährigen und umsichtigen Jugendwartin Marion Hermann und der Arbeitsgruppe Nachwuchs mit solch erfahrenen Mitstreitern wie Wolfgang Birth (langjähriger THV-Präsident), Klaus Böttner (Schulleiter des Sportgymnasiums) und Teambetreuer Christian Bucklitsch hatte Erfolgstrainer Wolfgang Mosebach ein Team um sich, das mit ihm für den Erfolg arbeitete.

Mit der Einführung der Sport-Leistungsstipendien suchte der Vorstand nach Unternehmen, die bereit waren, zu ihrem Sponsorenbeitrag zusätzlich auch eine talentierte Spielerin durch ein monatliches Stipendium zu unterstützen. Jährlich im Herbst gab es in Abstimmung von Thüringer Handball Verband und Verein eine Aufnahmeprüfung, die bundesweit ausgeschrieben war und regen Zuspruch auch von Mädchen außerhalb Thüringens fand. Das gelang und in jedem Jahr gab es für die berufenen Spielerinnen eine feierliche Übergabe der Stipendienurkunden. Als Pate/Patin fungierten erfolgreiche Spitzensportler oder Trainer wie Skisprung-Trainerlegende Reinhard Heß, die mehrfachen Olympiasiegerinnen im Eisschnelllauf Gunda-Niemann-Stirnemann und Daniela Anschütz-Thoms sowie der vierfache Olympia-Goldmedaillengewinner im Biathlon Sven Fischer. Aus dem Kreis der Stipendiaten entwickelten sich solche erfolgreichen Bundesliga- und Nationalspielerinnen wie Dinah Eckerle, Shenia Minevskaja, Isabell Roch, Julia Wenzl, Carolin Schmele, Marieke Blase, Julia Redder, Larissa Platen, Anne Bocka ...

Gruppenfoto vor der Urkundenübergabe 2009.

Im Jahr 2010 wurden die Anstrengungen im Nachwuchsbereich durch den DHB anerkannt und der Thüringer HC in Verbindung mit dem Sportgymnasium Erfurt zum DHB-Stützpunkt berufen. Als Stützpunkttrainer arbeitete der erfahrene Frank Puttfarken, das Training wurde umfangreicher und intensiver. Der erneute Gewinn der Goldmedaille beim Bundesfinale  "Jugend trainiert für Olympia" war der verdiente Lohn für Sportlerinnen und Trainer. Zurückblickend waren diese fünf Jahre die erfolgreichsten für den Nachwuchsbereich des THC.

2010 - 2015 Jahre der Stagnation

Mit dem Trainerwechsel des Bundesligateams, der Vertrag von Dago Leukefeld wurde nicht verlängert, gab es einen Paradigmenwechsel:  Statt weiter auf die selbst entwickelten Talente zu setzen, wurde ein neues Team mit einer großen Zahl von erfahrenen Spielerinnen verpflichtet. Neue Stipendienverträge wurden nicht mehr abgeschlossen. 2012 gab es einen Wechsel an der Spitze des Thüringer Handballverbandes, der die Unterstützung für den Spitzenverein extrem einschränkte. Die gerade erst geschaffene halbe Stelle des Stützpunkttrainers weiblich wurde gestrichen. Die Einschulungen an das Sportgymnasium stagnierten, somit auch die quantitative und qualitative Nachwuchspyramide in den einzelnen Altersklassen. In den Folgejahren schafften es nur Dinah Eckerle, Marieke Blase und Julia Redder ins Frauenteam. Erst 2015  konnten die Mädchen für das Sportgymnasium wieder punkten : Bundessieger in Berlin, damit wurden die Handballerinnen die erfolgreichsten Ballsportart der "Eliteschule des Sports".

2016 nahmen unsere Sportgymnasiastinnen zum dritten Mal an Schülerweltmeisterschaften teil, die alle zwei Jahre stattfinden, wofür die Voraussetzung der Bundessieg beim  Schulwettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" ist. Dänemark (2008), Portugal (2010) und Frankreich (2016) waren die Austragungsländer - neben dem sportlichen Wettstreit gab es eine Vielzahl von  Begegnungen und Events. Es bleiben die Erinnerungen an unvergessliche Momente.

2016 - 2020 Zeit der Veränderungen

Nach 16jähriger Amtszeit verzichtete der Vorsitzende Dr. Karsten Döring auf eine erneute Kandidatur und so war die Suche nach einem Nachfolger, der seinen Weg erfolgreich weiterführen konnte, eingeleitet. Catrin Finger, seit 2012 als Nachwuchstrainerin und Schatzmeisterin im Vereinsvorstand aktiv, stellte sich trotz hoher beruflicher Belastungen in einer Anwaltskanzlei, dieser Aufgabe. Nur mit einem starken Vorstand war die Herausforderung zu meistern: einerseits den Bundesligabereich mit hohem internationalen Anspruch im Auge zu haben, andererseits die Nachwuchsarbeit im deutschen Spitzenbereich weiterzuführen.

 

Arbeit nach völlig neuen Anforderungen

Die Handball Bundesligavereinigung der Frauen HBF startete 2016 die Vergabe des Jugendzertifikats für die Nachwuchsarbeit von Vereinen der 1. und 2. Handball Bundesliga Frauen. Das Zertifikat wurde im Rahmen der HBF-Mitgliederversammlung im Januar 2016 verabschiedet und erstmals für die Saison 2016/17 vergeben. Im Beschluss heißt es: "Ziel ist die Verbesserung der Ausbildungsqualität im Nachwuchsbereich sowie die Förderung deutscher Top-Spielerinnen. So sollen für Nachwuchsspielerinnen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, um in ihren Clubs von Talenten zu Spitzenspielerinnen reifen zu können. Vereine, die die Anforderungen an das Jugendzertifikat nicht erfüllen, zahlen in einen Fonds ein, aus dem Projekte und Aktivitäten zur allgemeinen Förderung der Nachwuchsarbeit im Handball unterstützt werden."

 

Die Messlatte an die Bedingungen in den Vereinen wurde damit hoch gelegt. Für das  Erreichen der Zertifizierung mussten eine ganze Reihe von personellen und organisatorischen Anforderungen erfüllt werden - in einigen Bereichen mussten hauptamtliche Trainer eingesetzt werden, die Kosten für die Ausbildung stiegen an. Mit großen Anstrengungen gelang es den Verantwortlichen im Verein, das Jugendzertifikat auch für die Saison 2019/20 zu erhalten. Das ist eine hohe Anerkennung der Arbeit aller Beteiligten.

 

Hoffnungsvolle Nachwuchstalente zeigen sich

Sportliche Mannschaftserfolge waren in dieser Phase dünn gesät, dafür aber wurden gleich mehrere Spielerinnen in die Kaderkreise der Jugend- und Junioreninnennationalmannschaft berufen. Wir sind stolz auf die Entwicklung von Julia Redder, Emily Hagedorn, Tyra Bessert, Lucy Gündel, Sidney Bätz, Lea Liebetrau, Lina Bruns und Vanessa Juchheim. Erstmalig rückten in diesem Jahr auch mit Laura Kuske und Arwen Rühl wieder zwei Nachwuchstalente in den Bundesligakader des Thüringer Handball Clubs auf. Hier spiegelt sich die gute Arbeit im Verein, aber auch die zielgerichtete Arbeit mit Mädchen aus anderen Bundesländern am Sportgymnasium  wider.

 

Seit 2016 haben im Gesamtprozess die Trainer Alexander Hoffmann, Thomas Zingler, Ruben Arnold und Goncalo Miranda in enger Zusammenarbeit mit Scout Mario Goetze sehr gute Ergebnisse erreicht. Für die aktuelle Mannschaft der A-Jugend Bundesliga unter Trainergespann Goncalo Miranda und Ruben Arnold war der Abbruch des Spielbetriebs durch die Corona-Pandemie besonders traurig. Mit starken Leistungen erreichte die Mannschaft bei der Deutschen Meisterschaft das Viertelfinale. Alle acht Teams hätten die Chance auf eine Meisterschaftsmedaille gehabt. Es bleibt der Trost, sich mit diesem Ergebnis direkt für die neue Saison in der Jugendbundesliga qualifiziert zu haben.  

 

Es gab weitere Veränderungen im Vereinsvorstand. Die Vorsitzende Catrin Finger bat die Mitgliederversammlung 2019 um Entlastung von der Führungsaufgabe, ihr Stellvertreter Tobias Ernst übernahm den Staffelstab und ist damit in 20 Jahren der dritte "Chef" eines Vereins mit einem hohen Anspruch in allen Teilen. Catrin Finger bleibt dem Thüringer HC treu, ihr Herz hängt nach wie vor am Geschehen im Verein -  Tochter Mara trainiert seit Jahren beim Thüringer HC und steht mit viel Talent vor der Aufnahme ans Sportgymnasium.

 

"Mose" - Vater der Nachwuchserfolge

Die Erfolge des Nachwuchses sind mit vielen Namen verbunden - bis auf wenige Ausnahmen sind es Ehrenamtler, die mit viel Begeisterung das Training und die Wettkämpfe mit ihren Schützlingen bestritten. Eine feste Instanz, Ansprechpartner und Freund, war in all den Jahren Landestrainer Wolfgang Mosebach, der die Mädchen des Sportgymnasiums  bei "Jugend trainiert für Olympia"betreute und im Ehrenamt die B-Jugend des Vereins zu großen Erfolgen führte. ( unter anderem  3 Meistertitel, 3x Meisterschafts-Bronze, 5x Bundessieger Jugend trainiert für Olympia, Teilnahme an drei Schul-Weltmeisterschaften ) Seit 2017 trainiert er kein THC-Team mehr, neben seinem Hauptjob als Landestrainer vermittelt er aber täglich im Spezialsport Handball seine Erfahrungen an die Sportgymnasiastinnen und bereitet sie auf das nächste Bundesfinale "Jugend trainiert für Olympia" vor.

Im Hintergrund aktiv

Stellvertretend für alle, die oft im Hintergrund diese 20 Jahre THC-Nachwuchsarbeit möglich machten ...