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Sechs super Minuten

In einem spannenden und auf hohem kämpferischen Niveau stehenden Halbfinalrückspiel besiegte der Thüringer HC den TSV Bayer 04 Leverkusen mit 29:25 (13:11) und zieht damit in das Finale der deutschen Meisterschaft ein. Die meisten Treffer der Partie erzielten die deutschen Nationalspielerinnen Laura Steinbach (10/4) für Leverkusen und Nadja Nadgornaja (9/3) für den THC. Dieser Sieg bedeutet für die Thüringerinnen bereits den sicheren Vizemeistertitel und damit die Startoption für den europäischen Champions League Wettbewerb.


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Der Anpfiff unterbrach die letzten satten Klänge des Status Quo-Klassikers "Whatever you want" und der Sound trug den THC-Angriff zu den ersten beiden Treffern. Anamaria Geiger und zweimal Kerstin Wohlbold sorgten bis zur 6.Minute für die 3:1 Führung - bis dahin hatte Laura Steinbach bereits zweimal mit harten Fernwürfen das THC-Tor verfehlt. Beiden Mannschaften war der unbedingte Wille, die Begegnung für sich zu entscheiden deutlich anzumerken. Im Tor des THC - Maike März, von Beginn an hellwach, gab ihrer Mannschaft die nötige Sicherheit und sorgte für ein gesundes Maß Selbstvertrauen.


In der 7. Minute konnte Nadja Nadgornaja einen ihrer Rückraumwürfe nicht unterbringen, doch schon im nächsten Angriff erzielte sie das 4:1. Die Gäste fanden erst langsam ins Spiel doch auch im THC-Angriff gab es Passfehler, die ein weiteres Enteilen verhinderten. Bayer hatte jetzt viel Sicherheit im Spiel und schaffte in der 10. Minute den Anschluss zum 4:3. Beide Teams spielten mit hohem Abwehreinsatz und schenkten sich nichts. In der 13. Minute hatten die Gäste erstmalig durch Denisa Glankovicova den Ausgleich geschafft (5:5) Für den psychologisch wichtigen Treffer zum 6:5 tankte sich Kerstin Wohlbold durch die Abwehr und netzte unhaltbar ein. Leverkusen zog sofort nach. Neunationalspielerin Marlene Zapf brachte in der 16.Minute ihr Team erstmals in Führung. Zum Glück spitzte Idalina Borges Mesquita in einen Leverkusener Leichtsinnspass und ließ sich die Konterchance nicht entgehen.

Danik Snelder musste auf die Strafbank und für ein Foul in den Rücken ihrer Gegenspielerin folgte ihr Katrin Engel bereits 15 Sekunden später. Jetzt gab es Stress für die THC-Abwehr in doppelter Unterzahl. Es ging glimpflich ab - das 8:8 wurde gehalten und erst in der 21. Minute konnte Laura Steinbach durch einen verwandelten Strafwurf die erneute 8:9 Gästeführung erzielen. Nun legte Leverkusen zweimal vor - ab der 22. Minute erreichte der THC eine leichte Dominanz. Idalina Borges Mesquita mit dem Ausgleich zum 10:10. Nadja Nadgornaja hatte es acht Minuten vor dem Ende der ersten Halbzeit in der Hand vom Strafwurfpunkt den THC in Führung zu bringen. Mit Erfolg.

Dynamisch und Ruhe ausstrahlend  - am Ende mit super Stellungsspiel - Maike März. Dynamisch und Ruhe ausstrahlend - am Ende mit super Stellungsspiel - Maike März.


Maike März rettete vor dem Ausgleich und gab so ihrer Mannschaft die Möglichkeit einen weiteren Führungstreffer zu landen. Zweimal waren nun die beiden Torhüterinnen die wichtigen Akteure. Renate Wolf zog zuerst die grüne Karte zum Team-Time-Out und brachte so etwas Ruhe in die jetzt hitzige Begegnung, die auch auf die Ränge ausstrahlte, wo viele Zuschauer mit den Entscheidungen der beiden Unparteiischen haderte. Das Magdeburger Gespann ließ sich auch durch lautstarke Missfallensäußerungen nicht beirren, blieb bei seiner konsequenten Linie und hatte das Spiel jederzeit im Griff.

Maike März rettete nach der Auszeit und Petra Popluharova schloss zum 12:10 in der 26. Minute ab. Bayer blieb im Spiel - 90 Sekunden vor dem Pausenpfiff zeigte die Anzeigetafel eine knappe 12:11-Führung für den THC. Als dann Denisa Glankovicova auf die Bank musste, war es Nadja Nadgornaja, die mit einem "Hammer" aus dem Rückraum die psychologisch wichtige Zweitoreführung (13:11) für die Gastgeberinnen sicherte.

Die erste Aktion nach dem Wiederanpfiff - in Überzahl für Leverkusen - brachte nur einen Lattentreffer - Petra Popluharova erzielte im Gegenzug den ersten Treffer der zweiten Hälfte zum 14:11 und leitete damit die stärkste Phase im THC-Spiel ein. Jetzt spielten die Gastgeberinnen mit hoher Sicherheit und verwandelten fast jede Chance.

Melinda Geiger, Petra Popluharova und Kerstin Wohlbold hatten bis zur 36.Minute einen Sechs-Tore-Vorsprung erzielt (17:11). Auch die TSV-Auszeit durch Renate Wolf, die logische Konsequenz, konnte im Spielverlauf keine Veränderung bewirken. Kim Naidzinavicius zeigte in der 38. Minute, dass die Gäste sich noch nicht so einfach abschütteln lassen wollten. Mit einem schönen Heber überwand sie Maike März. Nadja Nadgornaja vom Strafwurfpunkt und Laura Steinbach brachten die nächsten Treffer für ihre Mannschaften auf die Anzeigetafel (20:14 39. Minute). Dass Kim Naidzinavicius in der 42. Minute auf die Strafbank musste, konnte der THC nicht sofort verwerten. Leverkusen verspielte vorn leichtfertig oder scheiterte an Maike März. Nadja Nadgornaja und Melinda Geiger nutzten das Überzahlspiel verwandelten zum 24:16. Bis zum 24:18 in der 45. Minute hielt der komfortable Vorsprung - doch da war noch eine Viertelstunde zu spielen.

Nadja Nadgornaja war wieder zuverlässig und gefiel mit viel Variantenreichtum bei ihren neun Treffern. Nadja Nadgornaja war wieder zuverlässig und gefiel mit viel Variantenreichtum bei ihren neun Treffern.


Zwei vertändelte THC-Angriffe brachten durch Marlene Zapf und Elisabeth Garcia im Tempogegenstoß die Gäste wieder auf 24:20 heran. Und jetzt waren die Elfen wieder im Spiel. Jeder Fehler wurde bestraft und beim THC zog Nervosität ins Spiel ein. Auch durch eine im Tor souverän agierende Natalie Hagel, die mehrere Hundertprozenter entschärfte und den TSV im Spiel hielt. Hinzu kam die zweite Zeitstrafe der bis dahin erfolgreichsten THC-Werferin Nadja Nadgornaja in der 49. Minute. Zehn Minuten vor dem Ende der Begegnung zollten beide Mannschaften dem hohen Tempo Tribut. Der THC verlor die klare Linie der Nachpausenzeit und gab so mehrfach Lücken für Leverkusen frei. Laura Steinbach verkürzte nun auf drei zum 25:22. Der sichere Vorsprung von acht Treffern war verspielt. Eine weitere Zeitstrafe von Danick Snelder erhöhte den Druck auf das Team um Herbert Müller weiter. Kim Naidzinavicius nutzte die Überzahl und verkürzte zum 25:23 (55. Minute). Herbert Müller blieb nur der Griff zur grünen Karte, um seine Mannschaft im Team-Time-Out neu zu orientieren. Idalina Borges Mesquita von außen erfolgreich zum 26:23. Laura Steinbach von der 7m-Marke verkürzt weiter zum 26:24. Und jetzt stand die Gästeabwehr aggressiv. Nadja Nadgornaja wurde gefoult - den fälligen Strafwurf verwandelte Katrin Engel sicher. Die Elfen, intensiv um den nächsten Treffer bemüht, riskierten alles. Der Pfosten rettete jetzt den THC und der nächste Treffer von Petra Popluharova brachte endlich wieder die nötige Luft und sollte die Vorentscheidung bedeuten (28:24 - 59. Minute).

Petra Popluharova, mit stark ansteigender Formkurve in den letzten Spielen, steuerte fünf Feldtore bei. (Foto: Mario Gentzel) Petra Popluharova, mit stark ansteigender Formkurve in den letzten Spielen, steuerte fünf Feldtore bei. (Foto: Mario Gentzel)


In dieser Phase steht Maike März goldrichtig gegen Laura Steinbach und die letzten Treffer der beiden Teams durch Katrin Engel und Kim Naidzinavicius ändern am grenzenlosen Jubel auf den Rängen nichts mehr, in den mit dem Schlusspfiff auch alle THC-Aktiven auf dem Spielfeld einfallen. Ein großes Ziel nach harter Arbeit ist erreicht - jetzt freut sich Handball-Thüringen auf die Zweitauflage eines Finalspiels in Folge. Und das mit dem Gegner des Vorjahres. Der Buxtehuder SV egalisierte in einem Rückspielkrimi gegen den HC Leipzig eine Acht-Tore-Differenz und zog mit den mehr geworfenen Auswärtstoren ebenfalls ins Finale ein. Gratulation nach "Buxte" und wir freuen uns auf ein tolles Handballfest. Die Termine sind der 12.5. (Buxtehude) und der 19.5. in der heimischen Salza-Halle.

Beifall gab es auch für die Worte der als Trainerin scheidenden Renate Wolf. Sie machte deutlich, welche Last in den letzten Jahren von ihr in der Doppelfunktion als Trainerin und Managerin zu bewältigen war und versprach, sich nun nur noch im Manageramt für weiterhin Spitzenhandball in Leverkusen einzusetzen.




Stimmen zum Spiel

Renate Wolf (TSV): Ich denke, dass wir ein kämpferisches, auf hohem Niveau stehendes Halbfinalspiel gesehen haben. Wir sind schlecht ins Spiel gestartet und haben dem THC seinen Vorsprung zu leicht gemacht. Doch nach dieser Phase sind wir immer wieder ins Spiel zurückgekommen. Wir hatten uns vorgenommen, den Deutschen Meister auch heute stark zu fordern und das ist uns gelungen. Dafür danke ich meiner Mannschaft und gratuliere dem Thüringer HC zum Finaleinzug.

Herbert Müller (THC): Wir sind gut ins Spiel gestartet. Dann hat Leverkusen wie erwartet, konsequent dagegen gehalten. Wir haben uns vorgenommen mit vollem Einsatz Abwehr zu spielen und um jeden Ball zu kämpfen. Bis zum Acht-Tore-Vorsprung haben wir teilweise senationell gespielt. Gut, dass wir auch in einer Phase wo dann einiges nicht mehr lief, nicht die Nerven verloren haben.


Statistik:


Thüringer HC: Dinah Eckerle, Maike März; Nadja Nadgornaja (9/3), Katrin Schröder, Nora Reiche, Willemaijn Karsten, Shenia Minevskaja, Danick Snelder (1), Petra Popluharova (5), Katrin Engel (3/1), Dagmar Stuparicova, Idalina Borges-Mesquita (3), Lydia Jakubisova, Kerstin Wohlbold (4), Melinda Geiger (4).

TSV Bayer Leverkusen:
Natalie Hagel, Larissa van Dorst, Valentyna Salamakha; Marlene Zapf (3), Stefanie Egger, Kathrin Hambitzer, Elisabeth Garcia Almendaris (2), Roxanne Albertina Bovenberg, Denisa Glankovicova (2), Joyce Hilster (1), Kim Naidzinavicius (6), Franziska Garcia Almendaris (1), Laura Steinbach (10/4), Anne Jochin.

Zeitstrafen: 5 - 5.

Siebenmeter: 4/4 - 4/4.

Zuschauer: 950.

Schiedsrichter: Robert Schulze / Tobias Tönnies (Magdeburg).
 
Interne Verweise:
Fotogalerie: Mario Gentzel (www.pictureteam.com)



Roman Knabe
erstellt am 05.05.2012

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