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Niederlage trotz Steigerung

Trotz einer starken zweiten Hälfte und elf Treffern einer überragend spielenden Katrin Engel reichte es für den Thüringer HC gegen den dänischen Meister nicht, zu punkten. Zwei Minuten vor Schluss waren die Thüringerinnen auf 20:21 herangekommen, aber dann fehlte das Quäntchen Glück und so hatten die Gastgeberinnen das bessere Ende für sich. Erfolgreiche Werferinnen waren Katrin Engel (11) und Petra Popluharova (5) für den Thüringer HC und beim FC Midtjylland Line Joergensen (7) und Maibritt Kviesgaard (6).



Freundete sich in einer Woche mit dem neuen EHF-Ball an und erzielte damit in Ikast elf Tore - Katrin Engel. (Foto: Mario Gentzel - pictureteam.de) Freundete sich in einer Woche mit dem neuen EHF-Ball an und erzielte damit in Ikast elf Tore - Katrin Engel. (Foto: Mario Gentzel - pictureteam.de)



Von Axel Lukacsek - Thüringische Landeszeitung

Ikast. Als die Olsenbande vor genau 40 Jahren nach Jütland fuhr und aus einem alten Bunker einen Schatz ans Tageslicht beförderte, sah sie sich bereits am Ziel aller Träume. Fast genauso dicht standen die Handball-Frauen vom Thüringer HC in jenem Landstrich vor dem ersten Triumph in der Champions League, gingen aber mal wieder leer aus - wie am Ende die drei Gauner in der legendären dänischen Kriminalklamotte. "Es ist wirklich schade, dass wir verloren haben. Hier wäre mindestens ein Punkt möglich gewesen", sagte THC-Spielführerin Kerstin Wohlbold nach dem 20:23 (10:15) beim FC Midtjylland, was die zweite Niederlage im zweiten Spiel in der Königsklasse bedeutete.

Dabei begann das Rumpfaufgebot 750 Kilometer von der Heimat entfernt vor 2200 Fans im Sportcenter von Ikast - darunter 20 unentwegte Anhänger des Thüringer HC - ganz anders als vor Wochenfrist gegen Buducnost Podgorica, als beim zwischenzeitlichen 1:7 die spätere 23:27-Niederlage früh besiegelt war. Vor allem Rückraumspielerin Katrin Engel setzte gleich zwei Mal ein Achtungszeichen, als sie den Ball aus dem Rückraum unhaltbar für Midtjylland-Torhüterin Sabine Englert ins Netz beförderte und für das 5:5 verantwortlich zeichnete, bevor die österreichische Nationalspielerin vom Punkt gleich noch zum 6:5 nachlegte (13.).

Mit den etwas größeren Bällen in der Champions League kam Engel diesmal perfekt zurecht. "Hier in Ikast verwenden sie viel Harz und ich hatte das Leder richtig gut in der Hand und dadurch auch Selbstvertrauen beim Werfen", sagte die Linkshänderin: "Diesmal habe ich mir einfach keinen Kopf gemacht, und das war richtig," Dennoch schlichen sich ins Angriffsspiel des Thüringer HC zu viele Fehler ein. Hinzu kam auch Pech, immerhin landeten fünf Bälle an Pfosten oder Querlatte. Als in der ersten Halbzeit fünf Minuten kein Tor gelang, drehte der dänische Meister die Begegnung und führte plötzlich mit 10:6 (18.).

"Es war das erwartet schwere Spiel für uns. Der THC hat bis zum Umfallen gekämpft. Deshalb sind wir froh, dass wir die beiden Punkte haben", sagte FCM-Torhüterin Englert und meinte damit vor allem die zweite Halbzeit, die der Thüringer HC für sich entscheiden konnte. Nur belohnt wurde er nicht. Dabei blitzte ein ums andere Mal sogar spielerische Klasse auf, als zum Beispiel Engel auf der linken Seite Idalina Borges Mesquita bediente, die mit einem herrlichen Kempa-Trick in den Kreis segelte und den Ball ins Tor bugsierte - vergeblich. "Schade, dass da abgepfiffen wurde. So wären wir auf ein Tor heran gewesen", sagte Engel. Genau dies schaffte später die Österreicherin dann aber doch noch höchstpersönlich, als sie aus dem Rückraum zum 20:21 (58.) abzog.

Die letzten 120 Sekunden waren schließlich das Spiegelbild des gesamten Spiels. Der FC Midtjylland produzierte trotz der eigenen Fans im Rücken einige Fehler, auf der anderen Seite aber jagt Kreisläuferin Danick Snelder den Ball an die Latte, Dagmar Stuparicova verpasst von der linken Außenposition und als Engel noch einmal zum Wurf ansetzte - sie ahnen es schon - landete die Kugel am Pfosten.

Kurz zuvor hatte der dänische Titelträger das 22:20 erzielt und alle Hoffnungen auf zumindest einen Punkt zerstört. Bei der Olsenbande damals in Jütland brachten getürkte Dollarnoten den großen Coup zu Fall, der Thüringer HC stolperte im entscheidenden Moment über eigene Fehler und musste einsehen, dass der dünne Kader kaum Alternativen parat hat und so allen Spielerinnen weniger Zeit zum Verschnaufen blieb. "Die Mannschaft hätte sich das so sehr verdient gehabt, hier einen Punkt zu holen. Wir haben den großen Favoriten ins Wanken gebracht", sagte THC-Trainer Herbert Müller und kam sich vor wie im falschen Film. Wenigstens landeten seine Spielerinnen nicht wie einst Egon Olsen im Knast, zumindest aber auf dem Boden der Tatsachen ...


Stimmen zum Spiel:

Sabine Englert (FC Midtjylland): Es war das erwartet schwere Spiel für uns. Thüringen hat gekämpft bis zum Umfallen. Wir sind froh, dass wir die beiden Punkte haben.

Kerstin Wohlbold (THC): Es ist sehr schade dass wir hier nicht wenigstens einen Punkt mitgenommen haben. Der wäre auf jeden Fall drin gewesen. Wir müssen noch sehr viel Erfahrung sammeln und dürfen uns diese längeren Black Outs wie auch heute in der ersten Halbzeit wieder, nicht leisten. Diese Erfahrungen sollten uns helfen, vielleicht nun im nächsten Spiel die zwei Punkte mit nach Hause zu nehmen.


Katrin Engel (THC):
Wir haben wohl in der ersten Halbzeit einiges verschlafen und waren nicht aggressiv genug. Die fünf Tore Rückstand war dann zuviel. Letztlich haben die Kleinigkeiten gegen uns entschieden - zuviel Holztreffer und dann ein paar klare Chancen ausgelassen. Es ist einfach traurig. Mit dem Ball habe ich mich intensiv beschäftigt und bin heute ja auch wesentlich besser als letzte Woche damit zurecht gekommen.

Herbert Müller THC): Wir waren heute hier gleichwertig und hatten die Chance einen Punkt mitzunehmen. Es ist einfach schade, dass sich die Mannschaft für ihre Leistung nicht belohnen konnte. Wir hatten in einer ganz wichtigen Phase fünf oder sechs Pfostentreffer. Wir müssen jetzt den letzten Schritt gehen, um so ein Spiel zu gewinnen. Wenn letzte Woche Podgorica zu stark für uns war, heute hätten wir einen Punkt mitnehmen müssen.

Statistik:

FC Midtjylland: Sabine Englert , Ingrid Odegaard ;Gitte Led BrOEgger (2); Louise Spellerberg Svalastog, Maibritt Kviesgaard (6), Linea Thorstenson , Mia Biltoft , Susann Thorsgaard , Line Joergensen (7), Cecilie Woller , Trine Troelsen (3), Maria Soerensen , Trine Jensen Ostergaard, Nycke Groot (4).

Thüringer HC: Maike März, Adriana Stefani Gava; Katrin Schröder, Ulrike Jahn, Nora Reiche, Willemijn Karsten, Danick Snelder (1), Petra Popluharova (5), Katrin Engel (11), Dagmar Stuparicova, Idalina Borges-Mesquita (1), Kerstin Wohlbold (2).

7-m: 5/4 - 2/2.

Zeitstrafen: 1 - 2.

Zuschauer: 2200.
 
Interne Verweise:
Fotogalerie: Mario Gentzel (www.pictureteam.com)
Informationen zu unserer Mannschaft
   Weiterführende Links:
Ergebnisse und Tabelle www.ehfcl.com
Internetseite des FC Midtjylland
Liveticker des MDR in Kooperation mit dem THC
Thüringen Journal: Der THC-Trip nach Dänemark
mdr Sport im Osten: THC schnuppert an Überraschung
Fotogalerie: sports.webshots.com
Fotogalerie: www.aroundtheworld.dk
Fotogalerie: www.jensanton.nordestgaard-foto.dk



Roman Knabe
erstellt am 06.10.2011

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